Von Vernunft inspiriert - endlich

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Neun Monate nach der Aufdeckung des Abgasskandals beim Autobauer Volkswagen stellt Konzernchef Matthias Müller die bisherige Unternehmensstrategie zur Disposition. Kurz vor der diesjährigen Hauptversammlung im Juni 2016 betonte er gegenüber dem Handelsblatt: „Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen.“ Viel Platz wird in so einer Hand auch erst einmal nicht sein, denn VW wird vorerst rund 13,5 Milliarden Euro in eben diese nehmen müssen, um u.a. seine US-amerikanischen Kunden zu entschädigen, deren Autos vom Abgasskandal betroffen sind.

13,5 Milliarden Euro – wo stünde zum Beispiel die Elektromobilsparte des Konzern heute, wären diese Gelder in den vergangenen Jahren in die Entwicklung von alternativen Antrieben geflossen? Man stelle sich vor: Ein deutscher Autobauer, der nach dem Motto „Von Vernunft inspiriert. Von Emotionen getrieben“ auf die Verkehrswende setzt, weil sie aufgrund knapper werdender fossiler Brennstoffe, steigender Treibhausgasemissionen und unter Schadstoffbelastungen leidenden Großstädten der konsequente Ausweg ist. Bisher hatte sich die VW-Strategie leider dadurch ausgezeichnet, bei Innovationen abzuwarten und die Lerneffekte der Konkurrenz zu überlassen. Erst wenn ein Markt entstanden war, stiegen die Wolfsburger ein. Mit Hilfe von manipulierter Software wollte man so lange wie möglich die Zeit überbrücken und Profit aus althergebrachter Technik schlagen. Noch 2012 beschrieb Rudolf Krebs, Konzernbeauftragter für Elektrotraktion, das „Problem“ wie folgt: „Elektroautos werden in den nächsten Jahren nicht in riesigen Stückzahlen verkauft, wie wir sie sonst kennen.“ Nur vier Jahre später hat sich der Konzern entschlossen, die neue Kaufprämie für Elektroautos finanziell zu unterschützen. 4.000 Euro geben Staat und Autobauer je zur Hälfte hinzu, wenn sich ein Bürger ein neues Elektromobil zulegt. Mit 13,5 Milliarden Euro hätte VW also 6,5 Millionen Elektroflitzer querfinanzieren können. Eigentlich sollte diese Stückzahl eine Größenordnung sein, die man auch vor dem Skandal schon in Wolfsburg kannte. Es bleibt zu hoffen, dass Dieselgate nun wirklich Vernunft in die Wolfburger Hallen einziehen lässt und alternative Antriebe in den Fokus rücken.

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem monatlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. Er behandelt stets ein Thema der aktuellen energiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.