Beginnt jetzt die Deindustrialiserung? ThyssenKrupp bietet Stahlwerk zum Verkauf

kurzschlussteaser_250_72dpiDie Schwerindustrie droht, dem Standort Deutschland wegen zu hoher Energiepreise den Rücken zu zukehren und in Länder ohne Energiewende abzuwandern. Der Bund der deutschen Industrie malt seit langem das Schreckensbild der Deindustiralisierung an die Wand – am Ende mit der Empfehlung: Den Ausbau der Erneuerbaren Energien jetzt bremsen, bevor das Kind in den Brunnen fällt und auf der anderen Seite der Erde, in einem industriefreundlicheren Staat, wieder als neue Fabrik aufgebaut wird. Und tatsächlich: Derzeit plant Deutschlands größtes Stahl- und Technologieunternehmen, ThyssenKrupp, zwei seiner Stahlwerke zu verkaufen. Der Grund: Beide Werke sind verlustreich. Nach Medienberichten stehen die Fehlinvestitionen noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern. Derzeit verhandelt das Unternehmen über einen möglichen Verkauf zumindest eines der Werke. Nun aber die Überraschung: Das zu veräußernde Werk steht nicht in Deutschland, sondern im US-Bundesstaat Alabama. Das andere Pleitenwerk, für dessen Verkauf die Aussichten derzeit sehr schlecht stehen, ist in Brasilien zu finden. Laut dem Berliner Tagesspiegel handelt es sich bei den beiden Übersee-Standorten von ThyssenKrupp um eine der größten Fehlinvestitionen in der deutschen Industriegeschichte. Im Gegensatz dazu ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Industriegeschichte: Durch Investitionen in Produktionskapazitäten und Forschung sichern die Erneuerbaren Energien Deutschland weiterhin eine Spitzenposition im weltweiten Wettbewerb um grüne Technologien.

Die Wirtschaftsredakteure berichten derzeit nicht, dass ThyssenKrupp den Verkauf deutscher Standorte plant. Warum auch. Denn wie aus einer Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hervorgeht, hat sich die Wettbewerbssituation für große und stromintensive Industriekunden in Deutschland seit 2007 verbessert. Der für Großabnehmer maßgebliche Strompreis an der deutschen Strombörse ist zwischen Januar 2008 und Oktober 2012 um 22 Prozent gesunken, so das Gutachten. Zwar lägen, traditionell begründet, die durchschnittlichen deutschen Industriestrompreise inklusive Steuern und Abgaben zwar etwas höher als in den meisten Ländern Europas, aber im Trend der vergangenen Jahre sei jedoch eine Annäherung der Industriestrompreise in den europäischen Ländern zu beobachten. Das sei wiederum sei eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen.

Im "Kurzschluss" setzt sich die Agentur für Erneuerbare Energien einmal im Monat mit einem aktuellen Thema der Energiepolitik auseinander - oft "mit Augenzwinkern".