G7 bereitet in Elmau den Klimagipfel von Paris vor

elmauAm 7. und 8. Juni 2015 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten der Welt (USA, Japan, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien) im bayerischen Schloss Elmau zu ihrem jährlichen Gipfeltreffen. Während des zweitägigen Treffens stand auch die Diskussion über Maßnahmen zum Klimaschutz auf der Agenda. Im Abschlussdokument betonen die G7, dass tiefe Einschnitte bei den weltweiten Treibhausgasemissionen erforderlich seien, einhergehend mit einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts. Entsprechend unterstützten die sieben führenden westlichen Industriestaaten das Ziel, Treibhausgase bis 2050 im Vergleich zu 2010 entsprechend dem oberen Ende der jüngsten IPCC-Empfehlungen von 40 bis 70 Prozent zu reduzieren. Die Staaten verpflichteten sich, ihren Teil dazu beizutragen, langfristig eine kohlenstoffarme Weltwirtschaft zu erreichen, auch durch die Entwicklung und den Einsatz innovativer Technologien für den Umbau ihrer nationalen Energiewirtschaft.

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung klärt auf, hinter welchen Gipfelformulierungen sich echter Gestaltungswille bzw. reine Lippenbekenntnisse verbergen. Demnach sei die Formulierung „Wir bekennen uns“ die stärkste Form in einem Gipfeldokument – in Elmau vorbehalten für das Ziel, aus den fossilen Brennstoffen auszusteigen. Von Formulierungen wie „wir betonen“ oder „wir nehmen die Wichtigkeit zur Kenntnis“ könnten sich Klimaschützer nicht so viel erwarten. Allerdings haben Nichtregierungsorganisationen durch ihre schnelle Kommentierung der Ergebnisse von Elmau auch dazu beigetragen, wie die Bekundungen der Industrienationen überhaupt rezipiert wurden. Wie Spiegel Online berichtet, gab es kurz nach der Veröffentlichung der Ergebnisse Lob der Umweltorganisationen: „Angela Merkel sichert historisches Klimaversprechen“, jubelte Avaaz. „Der G7-Beschluss ist ein wichtiger Meilenstein“, formulierte die European Climate Foundation. „Die Richtung stimmt“, fand der WWF. Und „Elmau hat geliefert“, betonte ein Greenpeace-Sprecher. Auch diese Kommentare haben dazu beigetragen, dass der Gipfel nun so rezipiert wird, als habe er den Abschied von Kohle, Öl und Gas eingeläutet.

Ein Kommentar im Berliner Tagesspiegel erklärt das positive Feedback so: „Warum wird gejubelt? Weil im Dezember in Paris eine neues Klimaschutzabkommen verabschiedet werden soll und die Unterhändler dringend Aufwind brauchen. Den lieferten Merkel und die Männer von Elmau – mehr oder weniger bereitwillig. Ob der Aufwind stark genug ist, muss bezweifelt werden. Mit gleichem Ziel wurden die Vereinbarungen in L’Aquila im Sommer 2009 verabschiedet. Sie konnten trotzdem nicht verhindern, dass der darauf folgende Klimagipfel in Kopenhagen scheiterte.“ Auch Spiegel Online verweist auf die historischen Parallelen zu dem G8-Gipfel vor sechs Jahren und stellt in Frage, ob der gefeierte Klimabeschluss von Elmau tatsächlich Folgen zeitigen wird.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.

Bildquelle: bundesregierung.de