Papst veröffentlicht Öko-Enzyklika

climatePapst Franziskus hat im dritten Jahr seines Pontifikats eine Enzyklika zu Umweltfragen verfasst. Das Mitte Juni 2015 veröffentlichte päpstliche Rundschreiben trägt die Überschrift „Laudato si‘ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. Der Titel ist eine Anleihe an ein Zitat des Heiligen Franziskus von Assisi aus dem 13. Jahrhundert, der für Papst Franziskus ein Beispiel ist für „froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie“.

Am Anfang der Schrift analysiert der Papst die aktuellen ökologischen Krisen und verweist auf ihre Ursachen, um im nächsten Schritt ausführliche Leitlinien für Dialog und Aktionen zu entwickeln, die sich sowohl an jeden Einzelnen als auch an die internationale Politik richten. Grundlage der Schrift ist die Erkenntnis, dass der Mensch den Klimawandel verursacht und daher alle dazu aufgerufen werden müssen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen. Franziskus ruft auf zu einer neuen weltweiten Solidarität und einem Zusammenführen der ökologischen, sozialen und politischen Fragen.

Im Bezug auf die Energieversorgung fordert er dringend politische Programme, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verunreinigenden Gasen drastisch zu reduzieren. Er schlägt vor, die Verbrennung von fossilem Kraftstoff zu ersetzen und Erneuerbare Energien weiter zu entwickeln. Weltweit seien saubere und regenerative Energien nur in geringem Maß erschlossen. Zwar seien in einigen Ländern Fortschritte erzielt worden, doch deren Ausmaße würden global gesehen noch nicht ausreichen. Franziskus bemängelt, dass der weitreichende Ausbau Erneuerbarer Energien noch nicht so stark im Gang ist wie eigentlich notwendig.

Im Bezug auf die Diskussionen über Verantwortlichkeiten für den internationalen Klimaschutz bei Industrienationen und Entwicklungsländern hat Papst Franziskus ganz konkrete Vorschläge:

„Es ist notwendig, dass die entwickelten Länder […] den Konsum nicht erneuerbarer Energie in bedeutendem Maß einschränken und Hilfsmittel in die am meisten bedürftigen Länder bringen, um politische Konzepte und Programme für eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Die ärmsten Regionen und Länder besitzen weniger Möglichkeiten, neue Modelle zur Reduzierung der Umweltbelastung anzuwenden, denn sie haben nicht die Qualifikation, um die notwendigen Verfahren zu entwickeln, und können die Kosten nicht abdecken. Darum muss man deutlich im Bewusstsein behalten, dass es im Klimawandel diversifizierte Verantwortlichkeiten gibt, und sich – wie die Bischöfe der Vereinigten Staaten sagten – entsprechend ‚besonders auf die Bedürfnisse der Armen, der Schwachen und der Verletzlichen konzentrieren, in einer Debatte, die oftmals von den mächtigeren Interessen beherrscht ist‘. Wir müssen uns stärker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind.“

Das päpstliche Rundschreiben ist wenige Monate vor dem Klimagipfel in Paris erschienen, auf dem die Staaten der Welt über ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll erneut verhandeln wollen. Umweltschützer begrüßten die päpstliche Kritik an den Schwächen der internationalen Klimapolitik entsprechend positiv.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.