Transparenter Haushaltsstrompreis 2015?

stecker_geldSeit einigen Jahren gibt es beim Haushaltstrompreis aufgrund niedriger Beschaffungskosten schon länger Luft nach unten. Dennoch war vielen Stromversorgern bislang die EEG-Umlage-Erhöhung Anlass, die Preise für Haushaltskunden zu erhöhen. 2015 steigt die EEG-Umlage nun erstmals nicht. Wie die Übertragungsnetzbetreiber Mitte Oktober mitteilten, sinkt die EEG-Umlage leicht von aktuell 6,24 Cent je Kilowattstunde auf 6,17 Cent je Kilowattstunde. Die bisher gängige Begründung für Preiserhöhung fällt somit weg. Die Agentur für Erneuerbare Energien wies darauf hin, dass die jährliche Stromrechnung von Haushaltskunden im nächsten Jahr im Durchschnitt um 33 Euro geringer ausfallen könnte als noch im Jahr 2014 – wenn Stromversorger gesunkene Beschaffungskosten weitergeben würden.

Strom beim Grundversorger im Vergleich viel teurer

Bei Grundversorgern, von denen knapp 37 Prozent der Haushalte Strom beziehen, ist wahrscheinlich noch mehr Spielraum. Die Verbraucherzentrale NRW kommt in einer Langzeituntersuchung aller NRW-Grundversorgungspreise zu dem Ergebnis, dass jene Preisbestandteile des Haushaltsstrompreises, die der Grundversorger selbst beeinflussen kann (Vertrieb, Beschaffung, Marge), bis zu 25 Prozent über dem Branchenschnitt liegen. Die Analyse der Verbraucherschützer zeigt auch: Im Branchendurchschnitt sei die Höhe dieser Unternehmensspanne seit Dezember 2010 nahezu konstant bei rund 8,6 Cent geblieben. Sie hätte aber sinken müssen, wenn die Preisgestaltung tatsächlich an den Kosten ausgerichtet wäre. Denn der Stromeinkauf der Unternehmen sei im selben Zeitraum im Schnitt um etwa ein Viertel günstiger geworden. Dass bedeutet: Weil die Unternehmensspanne nicht sank, wuchs der Preisanteil für Vertrieb und Marge branchenweit um beinahe ein Drittel.

Grundversorger müssen staatliche Preisbestandteile in Zukunft auf der Stromrechnung ausweisen

Die Verbraucherschützer vermuten, dass die Grundversorger mit der Ersparnis durch sinkende Einkaufspreise ihre Marge steigern wollen. Beweisen lasse sich das jedoch nur schwer, denn die Versorger müssen ihre Zahlen für Vertrieb, Marge und Einkauf nicht offenlegen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, obwohl der Gesetzgeber für mehr Transparenz auf der Energierechnung sorgen will. Der Bundesrat hat einen Verordnungsentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums gebilligt, nach dem Energierechnungen ab Herbst 2014 einzelne Bestandteile transparent aufführen sollen. Dabei handelt es sich allerdings „nur“ um die staatlich gesetzten oder regulierten Preisbestandteile in der Strom- und Gasgrundversorgung.

Die Verbraucherzentrale NRW hat ihre Studie beim Bundeskartellamt zur Prüfung vorgelegt. Dort sieht man laut einem Bericht des ARD-Magazins plusminus derzeit allerdings keinen Handlungsbedarf. Stattdessen käme jenen Haushaltskunden eine große Bedeutung zu, die in der Lage sind, ihren Anbieter wechseln. 

Dieser Beitrag wurde für Renews, den Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, erstellt.