Gesagt, getan? NRW und die Windenergie

In Nordrhein-Westfalen (NRW) verwirrt der Wirtschafts- und Klimaschutzminister, Prof. Andreas Pinkwart (FDP), mit widersprüchlichen Aussagen zum Ausbau der Windenergieanlagen. „Windenergie liefert Erneuerbaren Strom, der in einem Industrie-intensiven Land wie NRW, einen erheblichen Unterschied für die Energiewende ausmacht“, sagt Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Anfang der Woche sprach der NRW Wirtschafts- und Klimaschutzminister, Prof. Andreas Pinkwart (FDP), gegenüber dem WDR überraschend von einer Windenergie-Offensive mit Verdopplung der Windenergie innerhalb der nächsten fünf Jahre in NRW. Einen Tag später ruderte der Minister jedoch zurück und spricht in einer Stellungnahme gegenüber dem Sender von dem „theoretischen Potenzial zur Verdopplung der Kapazitäten in den kommenden Jahren“. Dabei ist die Offensive mit Windenergie dringend notwendig, denn Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit dem deutlich größten Energieverbrauch, die Erneuerbaren-Anteil daran sind dabei noch vergleichsweise gering. Bis heute erzeugt Wind, Sonne & Co. nur knapp 13 Prozent des Stromverbrauchs. Doch was bedeutet die Ankündigung des Ministers, die Windenergie in fünf Jahren zu verdoppeln?

In NRW waren bislang 5.820 Megawatt (MW) Windenergie-Leistung installiert. Eine Verdopplung hieße also, dass bis 2023 rund 11.600 MW Windenergie in NRW zur Stromerzeugung bereit stehen müssten. Dies bedeutet nach WDR-Angaben also einen jährlichen Zubau von durchschnittlich 1.200 MW oder rund 400 Windenergieanlagen.

Wiese mit Windenergieanlagen

Gesagt, getan?

Tatsächlich wurden in NRW im Jahr 2018 nur 110 Windenergieanlagen neu installiert. Auch im Koalitionsvertrag ist die Verdopplung von Windenergie nicht vorgesehen, im Gegenteil dazu sollen etwa die Rahmenbedingungen des Ausbaus erschwert werden. Dazu wurde bereits beschlossen, dass weniger auf Waldflächen keine Windenergienutzung mehr möglich sein und der Abstand zu Wohnbaugebieten mindestens 1.500 Meter betragen soll. Gründe, weshalb der Minister seine Windenergie-Offensive vermutlich zurückzieht und nun nur noch von „theoretischem Potenzial zur Verdopplung der Kapazitäten in den kommenden Jahren“ (WDR) spricht.

Dabei hat der Minister richtig erkannt, dass Windenergie essenziell für die deutsche Energiewende ist. Im Zuge dessen erwähnte er beispielsweise auch, dass Repowering zukünftig eine bedeutende Rolle für die Windenergie spielt. Unter Repowering wird der Austausch alter Windenergieanlagen durch neue, leistungsstärkere Anlagen verstanden. Aktuell beschäftigt sich die Windbranche intensiv damit, weil die Förderung des Erneuerbaren- Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2021 ausläuft und sich somit die Eigentümer vieler Windenergieanlagen überlegen müssen, ob und wie sie die Anlagen zukünftig weiterbetreiben. Neben Recycling, dem Verkauf ins Ausland (Second Life), einer Direktvermarktung des Stroms ist auch Repowering eine der Möglichkeiten nach dem Ende der Förderung. Ein Beispiel für einen derartigen Prozess ist der Windpark Bernsdorf/ Gersdorf in Sachsen. Erst kürzlich wurden hier alte Windenergieanlage durch neue, leistungsstärkere Windenergieanlagen ersetzt und somit 8.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgen. Jetzt kann viermal so viel Strom in das Netz gespeist werden wie vorher.

Foto: © Windpark-Wiese/ Agentur für Erneuerbare Energien. 

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