Marktstammdatenregister startet - Revolution für die Energiestatistik?

Ab 1. Juli startet die Bundesnetzagentur (BNetzA) das neue Marktstammdatenregister als ein zentrales energiestatistisches Instrument. Erstmals sollen alle Anlagen des Energiemarktes in einem einheitlichen Verzeichnis erfasst werden und so auch bestehende Erfassungen zusammengeführt werden. Die Hintergründe und Perspektiven erläutert Peter Stratmann, Leiter des Fachreferats Erneuerbare Energien bei der BNetzA, in einem ausführlichen Interview mit dem Fachmagazin neue energie.

Das zweite Halbjahr 2017 beginnt mit einer grundlegenden Umwälzung im Bereich der Energiestatistik. Das Marktstammdatenregister, welches alles bestehenden Erfassungen zusammenführt, startet und soll fortan als zentrales Verzeichnis für den Energiemarkt dienen. Peter Stratmann umschreibt den Geltungsbereich im Interview mit dem Fachmagazin neue energie wie folgt: „[erfasst wird] alles, was an das Netz gekoppelt ist oder im Prinzip an das Netz gekoppelt sein könnte.“ Nicht nur Erzeuger, sondern auch Speicher, industrielle Verbraucher von Strom und Gas wie auch Lieferanten und Händler sollen in dem als Online-Datenbank konzipierten Instrument zusammengeführt werden. Stratmann betont die Vorteile des dann einheitlichen Datenbestandes für die Politik, aber auch für die Wirtschaft – nach seiner Prognose ist es „denkbar, dass es in Deutschland in zehn Jahren quasi keinen Marktprozess mehr gibt, in den das Register nicht eingewoben wurde.“ Die Umstellung ist allerdings auch erforderlich geworden, da bestehende Register nicht immer zielführend bzw. untereinander kompatibel waren – Stratmann betont in dem Interview scherzhaft, dass die BNetzA mit dem PV-Meldeportal „stolz darauf [ist], das schlechteste Register von allen zu haben.“

In dem Interview wird auch ausgeführt, dass das neue Portal durch die Zentralisierung und Digitalisierung auf Dauer eine Entbürokratisierung mit sich bringen soll. Neue EEG-Anlagen müssen ab 1. Juli ohnehin direkt im neuen Verzeichnis registriert werden, um eine Förderung in Anspruch nehmen zu können. Für Betreiber von Altanlagen kann es jedoch zu Mehraufwand kommen. Nicht nur müssen die von den bisherigen Registern übernommenen Daten für das neue Verzeichnis ggf. aktualisiert und bestätigt werden – da die neue Datenbank mehr Angaben benötigt, ist oftmals auch eine Ergänzung der Einträge vonnöten. Falls dies nicht oder nicht vollständig von den Anlagenbetreibern umgesetzt wird, droht ein Bußgeld bzw. eine Reduzierung oder gar ein Verlust der EEG-Förderung, wie das Ratgeberportal 123recht.net beschreibt.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.