Geothermiebranche im Dialog mit dem Bundestag

BVG_logo_400x300Berlin, 17. September 2020 - Der Bundestag befasst sich am Donnerstag, 17. September 2020, anlässlich der Debatte über den Klimaschutzbericht 2019 der Bundesregierung (19/22180) mit 22 Anträgen zum Schutz von Klima, Umwelt und natürlicher Lebensgrundlagen. Diesen Anlass nutzten die Experten der Geothermiebranche, um über die Klimaschutzwirkung, den rechtlichen Rahmen, die Forschungslandschaft und herausragende Geothermie-Projekte zu berichten. Mit Nachdruck wurde seitens der Geothermiebranche eine Entlastung des bis zu 70 % mit Steuern und Abgaben belasteten Stroms für geothermische Tiefenpumpen und Wärmepumpen gefordert.

Rahmenbedingungen müssen nach wie vor verbessert werden
Die Branche fordert hier Veränderungen beim Ordnungsrecht, Förderrahmen sowie Preissignale. Diskutiert wurde dabei der aktuelle Entwurf des Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG), der Finanzrahmen für die Förderprogramme für Einzelgebäude und Wärmenetze sowie das zukünftige Marktdesign für Einzelheizungen und Wärmenetze.

Geothermiefachleute stellen Chancen und aktuelle Projekte vor
Der Präsident des Bundesverbands Geothermie, Dr. Erwin Knapek, erläuterte den Bundestagsabgeordneten zum Auftakt des Abends, welche Chancen die Geothermie beim Klimaschutz bietet, gefolgt von einer Einschätzung zum aktuellen politischen Rahmen durch den Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie, Dr. André Deinhardt.
Prof. Dr. Inga Moeck, Leiterin der Sektion Geothermik am Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) und Professorin an der Georg-August-Universität Göttingen, stellte das Forschungsvorhaben „mesoTherm“ vor. Dieses ist eines von aktuell 20 Reallaboren der Energiewende, welches sich mit Geothermie beschäftigt. Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt untersucht in Hamburg in diesem Rahmen die Machbarkeit und das örtliche Potenzial für Geothermie.

Über 400.000 Geothermieanlagen existieren bereits in Deutschland. Ein Großteil hiervon sind sogenannte oberflächennahe Geothermieanlagen, deren Sonden bis zu 400 Meter in die Tiefe reichen und Gebäude und Quartiere beheizen können. Dr. Frank Kabus stellte die Nutzungsform exemplarisch an der Erdwärmeheizung des Humboldt Forums Berlin vor. Das Objekt, welches sich architektonisch am ehemaligen Stadtschloss orientiert, befindet sich aktuell noch in Bau. Zukünftig wird das Erdreich an dieser Stelle Kühlung und Wärme im Umfang von mehreren hundert Kilowatt für die Veranstaltungsräume zur Verfügung stellen.

Richtungsweisend ist der Ausbau der Tiefen Geothermie in München. Die Stadtwerke München haben sich nicht weniger als die Vision zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 die Fernwärmeversorgung der Millionenstadt auf Erneuerbare Energien umzustellen; wesentlich bereitgestellt durch Fernwärmeanlagen basierend auf Erdwärme. Annecatrin Theis stellte das Konzept der Stadtwerke München vor.

„Mit einem Ausbau der Geothermie investieren wir in eine grundlastfähige Erneuerbare Energie, die uns zuverlässig und witterungsunabhängig mit Strom, Wärme und auch Kälte versorgen kann. Wir freuen uns daher über das Interesse seitens der Abgeordneten und die Chance, auch in Zeiten von Corona wieder persönlich in Kontakt treten zu können,“ sagt Dr. Erwin Knapek, Präsident des BVG. „Gerade jetzt in der Corona-Krise ist es wichtig, den Klimaschutz nicht zu vernachlässigen und die Weichen für das Erreichen der Klimaschutzziele zu stellen. So hat beispielsweise die kommunale Wärmewende das Potenzial, zukunftssicherer und klimagerechter Konjunkturmotor zu sein.“

Pressekontakt
Dr. André Deinhardt
Geschäftsführer Bundesverband Geothermie e. V.
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