UBA empfiehlt: Umfassende Gebäudesanierung und mehr Erneuerbare Energien

Bis 2050 soll der Gebäudebestand Deutschlands nahezu klimaneutral werden. Eine vom Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) erstellte Studie zeigt, wie das gehen kann. Die AEE-Redaktion hat Ergebnis und Methodik der Studie mit dem Titel „Klimaneutraler Gebäudebestand 2050“ übersichtlich zusammengefasst.

Zwei Wege führen demnach zu diesem Ziel: Sowohl eine umfassende Gebäudesanierung als auch eine verstärkte Wärmeversorgung der Gebäude durch Erneuerbare Energien. Beide Maßnahmen in Kombination könnten den Primärenergieverbrauch des Gebäudebestands im Vergleich zum heutigen Zustand um 80 Prozent senken. Die Jahresgesamtkosten sind für beide Varianten in etwa gleich, wie das UBA anhand von Modellberechnungen ermittelte. In der wissenschaftlichen Arbeit untersuchten die Experten verschiedene Zielbilder, die den Gebäudebestand 2050 beschreiben. Diese unterscheiden sich jeweils im Sanierungsgrad sowie darin, wie viel Endenergie die Gebäude nach der Sanierung noch verbrauchen und wie hoch der Anteil an Erneuerbaren Energien dann sein muss, um als nahezu klimaneutral zu gelten.

Der Studie zufolge lässt sich der Endenergieverbrauch im gesamten Gebäudesektor um maximal 60 % bezogen auf den heutigen Ausgangszustand absenken. Dazu müssten alle Gebäude, die als prinzipiell sanierbar eingestuft werden, auf den Sanierungszustand "vollsaniert plus" gebracht werden. Alle Wohngebäude würden eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung erhalten. Das mittlere Zielbild ergebe eine Senkung des Endenergieverbrauchs von insgesamt 50 %, und im am wenigsten ambitionierten Zielbild sinke der Endenergiebedarf um 35 %.

Bei -35 % Endenergieverbrauch werde im Vergleich zum effizientesten Szenario (-60 % Endenergieverbrauch) fast dreimal so viel Endenergie aus Holz, Umweltwärme und Solarthermie benötigt, um den nicht-erneuerbaren Primärenergiebedarf um 80 Prozent zu senken. Der Strombedarf für Wärmezwecke sei bei einer Endenergieverbrauchsreduktion um -35% um etwa 55 Terawattstunden höher als bei -60 % Endenergieverbrauch. Das bedeute einen zusätzlichen Ausbaubedarf für Stromerzeugungskapazitäten auf Basis Erneuerbarer Energien. Bei einer freien Optimierung ohne Festlegung auf eine bestimmte Endenergieverbrauchsreduktion im Gebäudesektor kommen mehr Wärmepumpen und Fernwärme zum Einsatz. Aus der Perspektive des gesamten Energiesystems sei es nämlich günstiger, Erdgas und Biomasse im Industrie- und Verkehrssektor einzusetzen und Niedertemperaturwärme im Gebäudesektor mit Wärmepumpen zu erzeugen.

Die Kostendifferenzen zwischen den untersuchten Szenarien seien sehr gering, bei den Zielbildern mit höheren Wärmeschutzanstrengungen lägen sie tendenziell etwas höher als im Szenario mit geringerem Wärmeschutz. Angesichts der großen Unsicherheiten bei den getroffenen Annahmen lasse sich keine robuste Aussage treffen, welches Zielbild aus Kostenerwägungen angestrebt werden sollte.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.