Ausschreibung für Offshore-Wind: Durchschnittszuschlag bei nur 0,44 Cent/kWh

stiftung_offshore_wind_offshore_500Die erste Ausschreibung für Offshore-Windenergieanlagen in Deutschland brachte Anfang April 2017 ein überraschendes Ergebnis: Der durchschnittliche Zuschlagswert ist mit 0,44 Cent je Kilowattstunde (Ct/kWh) sehr niedrig. Während die Ausschreibung maximal Gebote von zwölf Ct/kWh zugelassen hätte, hatten Bieter wie der deutsche Energiekonzern EnBW Projekte sogar mit null Ct/kWh ins Rennen geschickt. Das höchste Gebot lag bei sechs Ct/kWh. Insgesamt wurden nun vier Offshore-Windparks in der Nordsee mit einer gesamten Kapazität von 1.490 MW bezuschlagt. Sie erhalten neben der Förderung auch einen – vom Stromverbraucher über die Netzentgelte finanzierten – Netzanschluss und die Möglichkeit, ihren Windpark über 25 Jahre zu betreiben. Viele Marktbeobachter waren von den niedrigen Geboten überrascht – im Vorfeld war das Preisniveau noch auf acht bis neun Ct/kWh geschätzt worden. Als Gründe für die niedrigen Geboten werden von Experten folgende Faktoren genannt: Neben Lerneffekten und Kostendegression auch der Umstand, dass an dieser ersten Ausschreibung auch Projekte teilnehmen konnten, die schon 2016 begonnen wurden und damit zum Teil Genehmigungen mit beschränkter Haltbarkeit vorlagen. Weiterhin rechneten die Bieter wohl auch mit sinkenden Preisen für Komponenten und Bau, sowie mit steigenden Großhandelspreisen bis 2025. Der Bundesverband Windenergie bezeichnet das Verhalten der Bieter bei dieser ersten Ausschreibungsrunde als risikoorientiert. Sollten die Projekte nicht realisiert werden, ergäben sich daraus energiewirtschaftliche Verwerfungen.

Die zweite Ausschreibung für bestehende Offshore-Windparkprojekte erfolgt am 1. April 2018. Das Ausschreibungsvolumen beträgt dann 1.610 Megawatt. Davon sind nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz mindestens 500 Megawatt Offshore-Windparks in der Ostsee zuzuschlagen. Projekte, die in der jetzt abgeschlossenen Ausschreibung keinen Zuschlag erhalten haben, können sich an der zweiten Ausschreibung erneut beteiligen.

Die Analysten von Energy Brainpool haben im Nachgang ein Whitepaper veröffentlicht, in dem sie Erlöspotentiale für nicht geförderte Offshore-Wind-Anlagen berechnen: Es zeigt anhand dreier modellierter Strompreisszenarien, welche Einnahmen in Deutschland bis 2035 beim Betrieb von Windkraftwerken ohne Förderung durchschnittlich realistisch sind. Die drei Szenarien unterscheiden sich in ihren Annahmen zu Preisen von Emissionszertifikaten und konventionellen Energieträgern sowie zu installierten Kapazitäten. Das Standard-Szenario rechnet beispielsweise damit, dass Erneuerbare Energien in Deutschland 2050 einen Anteil von 80 Prozent an der Bruttostromnachfrage haben. Unter dieser Annahme erzielten Windenergieanlage auf See im Jahr 2025 einen Vermarktungswert von 53 Euro pro Megawattstunde; im Jahr 2035 könnte dieser Wert bis auf 76 Euro pro Megawattstunde ansteigen.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.