Ausbau der Windenergie in den Bundesländern und auf hoher See

Aktuelle Zahlen zur Windenergie im ersten Halbjahr 2015 

Nach dem die Windenergie 2014 ein Rekordausbaujahr erreicht hat und allein an Land über 4,7 Gigawatt (GW) neue Leistung installiert wurde, ging der Zubau an neuen Windenergieanlagen im ersten Halbjahr 2015 etwas gemächlicher zustande, auch wenn bis Ende des Jahres noch ein kräftiger Schub erwartet wird.. Rund 1,2 GW neue Windleistung wurde in Deutschland an Land installiert, dazu kamen noch knapp 1,8 GW offshore, vorrangig in der Nordsee. Insgesamt waren in Deutschland zum 30. Juni 2015 damit Windenergieanlagen mit einer Leistung von etwa 32,9 GW onshore und 2,8 GW offshore (mit Netzanschluss) installiert.

Niedersachsen mit größter installierter Leistung, Schleswig-Holstein holt auf 

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Den größten Beitrag zu diesen Zahlen liefert Niedersachsen, wo die meisten Anlagen (5.628) und die höchste Leistung (8.355 GW) verortet sind. Obwohl es keine Küstenlinie hat, folgt Brandenburg auf dem zweiten Rang (3.381 Anlagen mit 5.627 GW), ganz knapp vor dem vergleichsweise kleinen Schleswig-Holstein (3.289 Anlagen mit 5.389 GW). Angesichts der aktuellen Ausbauzahlen ist allerdings davon auszugehen, dass Schleswig-Holstein schon bald das deutlich größere Brandenburg überholen wird - im ersten Halbjahr 2015 wurde im Land zwischen den Meeren mit 334 MW mehr Windleistung als in jedem anderen Bundesland installiert, und fast doppelt so viel wie im zweitplatzierten Brandenburg (171 MW). 

Aber auch einige südliche und westliche Bundesländer weisen hohe Installationszahlen auf und verringern so den Abstand in der Windenergienutzung zu dem Norden Deutschlands. Insbesondere sind hier Nordrhein-Westfalen, Bayern und Rheinland-Pfalz zu nennen, die auf den Plätzen 4-6 in der Zubautabelle des ersten Halbjahres 2015 stehen. In Bayern wäre noch sehr viel Platz zum Ausbau der Windenergie, der Freistaat weist nach Berlin und Baden-Württemberg die geringste Dichte an Windenergieanlagen auf. Nach guten Zubauzahlen in den letzten Jahren wird in Bayern durch die Verabschiedung restriktiver Abstandregelungen allerdings nur noch ein sehr geringer Windenergiezubau erwartet.

Stärkere und größere Windenergieanlagen in den Südbundesländern

Karte_Uebersicht_2015-Windenergieanlagen_pro_1000_km_Landesflaeche

 Durch die höhere Anlagenzahl besteht im Norden auch die höchste Dichte an Windturbinen, Spitzenreiter ist hier Schleswig-Holstein vor dem kleinsten Bundesland Bremen. Allerdings gibt es hier auch Ausreißer, in Mecklenburg-Vorpommern stehen relativ zur Landesfläche etwa nur so viele Anlagen wie in Rheinland-Pfalz und deutlich weniger als in den umliegenden Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Da in den Nordländern oftmals schon relativ früh mit dem Windenergieausbau begonnen wurde, stehen dort noch viele alte und kleine Anlagen. Hier gibt es in den nächsten Jahren viel Potenzial für ein Repowering mit moderneren  Maschinen. Die größten und leistungsstärksten Anlagen sind daher auch anderswo zu finden: Im Schnitt stehen in Berlin die Turbinen mit dem größten Leistungsvermögen - allerdings gibt es hier auch nur zwei Anlagen insgesamt. Es folgen Bremen mit einer durchschnittlichen Anlagenleistung von 2 MW sowie das Saarland, Rheinland-Pfalz und Bayern mit je 1,9 MW. Bei der durchschnittlichen Leistung der  neu installierten Anlagen waren im ersten Halbjahr mit Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ein Binnen- und ein Küstenland gleichauf, hier wurden jeweils Anlagen mit durchschnittlich 3 MW aufgestellt. Der Durchschnitt in Deutschland von 2,7 MW zeigt dabei die enorme technologische Entwicklung in der Windbranche: 2010 hatten die neuen Anlagen noch eine durchschnittliche Leistung von 2,2 MW.

AEE_Leistungsentwicklung_WEA_1990-2013_Jan14_72dpiBei der Größe können aber endgültig die Binnenländer die Spitzenwerte für sich verbuchen, da man hier die vergleichsweise schlechteren Windverhältnisse durch höhere Anlagen auszugleichen sucht. Baden-württembergische Anlagen ragen hierbei im ersten Halbjahr 2015 mit einer durchschnittlichen Nabenhöhe von 144 Metern am höchsten hinaus, saarländische Windturbinen folgen mit 143 Metern nur knapp dahinter.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.