Kohlekraftwerke schließen, um Klimaziele zu erreichen

kohleDas UN-Klimaschutzabkommen, das im Dezember 2015 in Paris beschlossen wurde, sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad Celsius vor. Der Klimapolitik-Experten Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) geht davon aus, dass sich das 1,5-Grad-Ziel nur erreichen ließe, würde die Weltgemeinschaft in fünf Jahren aufhören, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen.

Wissenschaftler des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) haben untersucht, inwieweit ein nationaler Kohleausstieg in den nächsten Jahren möglich wäre und wie er sich auf den deutschen Strommarkt auswirken würde. Die Ergebnisse haben sie im August 2015 in der Studie mit dem Titel „Kraftwerks-Stilllegungen zur Emissionsreduzierung und Flexibilisierung des deutschen Kraftwerksparks: Möglichkeiten und Auswirkungen“ vorgestellt. Im Fokus stehen dabei die energiewirtschaftlichen Auswirkungen im Hinblick auf die Ziele Versorgungssicherheit, Kosten und Klimaeffekte. Die Agentur für Erneuerbare Energien hat im Rahmen des Projektes Forschungsradar Energiewende nun eine Zusammenfassung der IZES-Studie veröffentlicht und darin die Ergebnisse, Annahmen und die Methodik beschrieben.

Ausgangspunkt der Studie ist die These, dass die bisher im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 avisierten und beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Die Autoren schlagen deshalb vor, mindestens 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Kraftwerkspark einzusparen, um die nach derzeitigem Stand absehbare Lücke von rund 90 Millionen Tonnen Kohlendioxid bis 2020 zu schließen. Dafür sei es notwendig, emissionsintensive Kraftwerkskapazitäten, also Kohlekraftwerke, vom Markt zu nehmen. Zur ökonomischen Absicherung flexibler Gaskraftwerke und zur Absicherung der Minderungsziele wäre allerdings eine Reduktion um 93 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Kraftwerkspark am zielführendsten. Um den CO2-Ausstoß im Kraftwerkspark bis 2020 um mindestens 50 Millionen Tonnen zu senken, schlägt das IZES vor, blockspezifisch Abschaltdaten für Kohlekraftwerke vorzugeben. Die Stilllegungsreihenfolge solle sich an den spezifischen Emissionen der Kraftwerke orientieren. Zugleich solle der Neubau von Kohlekraftwerken ausgeschlossen werden. Die Autoren entwickeln kein Instrument zur Umsetzung des Kohleausstiegs, prüfen jedoch die rechtlichen Möglichkeiten.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.