"Die spinnen, die Römer!"

kurzschlussteaser_250„Die spinnen, die Bayern!“, titelte der Spiegel Ende August 2015 und zitierte damit die wohl bekannteste Sprechblase der Asterix-Comic-Reihe („Die spinnen, die Römer!“). Dabei hat die aktuelle Politik der Bajuwaren wenig mit den Römern gemein – von Protesten der Römer gegen Aquädukte vor der eigenen Haustür oder einer Barbaren-Maut für die Nutzung des römischen Straßennetzes ist zumindest nichts überliefert. Vielmehr ähnelt die Politik des flächenmäßig größten Bundeslands Deutschlands eher dem widerspenstigen gallischen Dorf: Projekte des Berliner Imperiums wie Stromtrassen oder Atommüllendlager werden mit Faust und Zähnen abgewehrt. Im Gegensatz drücken die Bayern der Hauptstadt gegen deren Willen Projekte wie Ausländermaut oder Betreuungsgeld – der Sage nach unter dem Einfluss eines Zaubertranks aus Hopfen und Malz ersonnen – aufs Auge. Als Namensgeber für die aktuelle bayerische Landespolitik muss aber wiederum ein römischer Offizier und Befehlshaber der Feuerwehr herhalten – der heilige Florian. „Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ and’re an“, lautet das nach ihm benannte Prinzip. Probleme wollen die Vertreter dieser Geisteshaltung nicht lösen, sondern auf andere abladen, oder sie wollen nur die Vorteile genießen, während die Nachteile andere auf sich nehmen sollen. Im Englischen werden die Anhänger dieses Prinzips NIMBY (Not In My Back Yard – nicht in meinem Hinterhof) genannt. Es gibt auch noch weitere Spielarten, die in der Politik anzutreffen sind, wie NIMD – (Not In My District - nicht in meinem Wahlkreis) oder NIMTOO (Not In My Term Of Office - nicht während meiner Amtszeit). Ein prominentes Beispiel des NIMBY-Prinzips ist die Endlagersuche für Atommüll. So ist Bayern auf einmal zu einem glühenden Gegner von Castor-Transporten geworden – aber natürlich nur von solchen, die nach der Aufbereitung der Brennelemente wieder nach Bayern einreisen, nicht von jenen, die dafür ausreisen. Jahrzehntelang hat Bayern wie kein anderes Bundesland auf die Atomkraft gesetzt, will aber mit dem Atommüll jetzt nichts mehr zu tun haben. Darum sollen sich gefälligst die anderen Bundesländer kümmern. Viele Bayern sollen angeblich Anhänger des NIPBY-Prinzips (Nur In Preißns‘ Back Yard) sein.

Die Römer hätten in solchen Fällen einfach einen Limes errichtet – vielleicht ein Vorbild für den Freistaat?

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem montlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. er behandelt stets ein Thema der aktuellen energiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.