Klimaskepsis im Weißen Haus

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US-Präsident Donald Trump nannte den von Menschen gemachten Klimawandel vor seiner Vereidigung mehrfach einen Mythos. Er sei ein Schwindel, den sich Chinesen ausgedacht hätten, um die US-Wirtschaft zu schädigen. Auf der Internetseite des Weißen Hauses verschwanden direkt nach dem Amtsantritt konsequenterweise jene Inhalte der Obama-Administration zum Thema Klimaschutz. Am zweiten Tag seiner Amtszeit veröffentlichte Trump seinen „America First“-Energieplan, der weder die Worte Klima noch Erneuerbare Energien verwendet. Stattdessen macht er deutlich, dass die Vereinigten Staaten verstärkt fossile Energiequellen im eigenen Land nutzen werden. Dafür soll die heimische Kohleindustrie wiederbelebt werden. Auch zwei umstrittene, von Obama auf Eis gelegte Ölpipelineprojekte wurden sogleich reaktiviert.

An seinem dritten Amtstag ging Trump sein zentrales Wahlversprechen an: Den Bau einer Mauer zu Mexiko. Sein Ziel ist es, den Flüchtlingszulauf zu stoppen. Doch bei der Planung dieser Mauer müsste der Klimawandel eigentlich mit bedacht werden. Denn: Zwar fliehen die Menschen aus Mittelamerika u.a. aufgrund von Korruption und Verbrechen. Aber nicht nur. Mittelamerika ist eine stark vom Klimawandel betroffene Region, die allerdings nicht wie z.B. die Industrienation USA über genügend Mittel verfügt, sich auf Klimafolgen einzustellen. Stattdessen verschlimmern Dürren, Überschwemmungen und zerstörte Ernten die Zustände vor Ort. Landflucht sorgt für Enge in den Städten und führen nach und nach dazu, dass sich immer mehr Menschen in ihrer Not eine bessere Zukunft in Nordamerika erhoffen. Wenn die USA nun aber die fossile Energieerzeugung verstärkten, das Paris-Abkommen aufkündigten und den eigenen Treibhausgasausstoß nicht reduzierten, befeuern sie den Klimawandel und die damit verbundenen Konsequenzen. Klimawandel erzeugt Klimaflüchtlinge und die USA müssten dies bei der Dimensionierung eines Schutzwalls eigentlich einrechnen. Doch dafür müsste dieser von Chinesen erdachte Schwindel ja heute schon als reale Bedrohung verstanden werden … Es tut sich hier ein Paradoxon auf, das wahrscheinlich nicht das einzige in der Regierungszeit von Donald Trump bleiben wird.

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem monatlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. Er behandelt stets ein Thema der aktuellen energienergiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.