Standardwerk lässt Erneuerbare zu kurz kommen

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Rezension des Sachbuches: Energiemarkt Deutschland Jahrbuch 2014. Daten und Fakten zu konventionellen und erneuerbaren Energien. Von Hans-Wilhelm Schiffer. TÜV Media GmbH, Köln 2014.

Das Standardwerk von Hans-Wilhelm Schiffer „Energiemarkt Deutschland“ erscheint 2014 bereits in der 12. Auflage. Es bietet einen Überblick über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Strukturen der Energiewirtschaft. Neu an der vollständig aktualisierten Neuauflage ist der Untertitel: „Daten und Fakten zu konventionellen und erneuerbaren Energien“. Die hier geweckten Erwartungen, auch eine umfassende Übersicht über den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu erhalten, erfüllt das Fachbuch allerdings nicht. Der Blick ins Buch, dessen Erstausgabe Anfang der neunziger Jahre erschien, lässt vermuten, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommarkt von über 25 Prozent und am Energiemarkt von 12 Prozent den RWE-Experten noch nicht dazu bewegen konnten, den bisherigen Aufbau des Longsellers grundsätzlicher zu überarbeiten. Die Informationen zu Biomasse, Geothermie, Sonnen-, Wind und Wasserkraft fallen im Vergleich zur Betrachtung der klima- und umweltschädlichen Energieträger sehr marginal aus. Die Teilmärkte Mineralöl, Braunkohle, Steinkohle und Erdgas werden detailliert nach Aufkommen und Unternehmensstruktur in Förderung, Handel und Vertrieb an den Endkunden aufgeschlüsselt. Der promovierte Volkswirt und Mitglied des World Energy Councils geht auf relevante Aspekte zu Strom, Wärme und Kraftstoffen ein. Auch arbeitet er die Überführung des ostdeutschen Versorgungssystems in den westdeutschen Energiemarkt nach der Wende auf. Weiterhin wirft er einen Blick auf den europäischen und globalen Energiemarkt. In einem Kapitel zur Preisbildung werden die Mechanismen an den Börsen verständlich gemacht. Die Beschreibung des Merit-Order-Effekts, also die Beschreibung des Einflusses sinkender Großhandelspreis auf die Höhe der EEG-Umlage, erfolgt jedoch nicht differenziert genug. An dieser Stelle hätte der Autor detaillierter darstellen können, welchen Effekt beispielsweise der Emissionshandel auf die Preisbildung hat. Mehr Informationen wären im Kapitel zu Erneuerbaren Energien auch bezüglich deren Potenzials im Wärme- und Verkehrssektor wünschenswert. Das Thema externe Kosten wird jedoch ohnehin vermieden. Dennoch ist „Energiemarkt Deutschland“ ein gutes Nachschlagewerk für alle, die sich mit energiewissenschaftlichen Fragen beschäftigen. Schiffer beschreibt die zunehmende Dynamik der Marktentwicklung und die Schwierigkeit, den Überblick zu behalten. Dementsprechend werden Zahlen durch Grafiken visualisiert, die auch auf einer Downloadseite verfügbar sind. Dokumentiert werden außerdem das Energiekapitel des Koalitionsvertrages von November 2013 und die Ziele und Rahmenbedingungen der internationalen Energie- und Klimapolitik.

Text: Rena Barghusen

Hans-Wilhelm Schiffer: Energiemarkt Deutschland Jahrbuch 2014.
Daten und Fakten zu konventionellen und erneuerbaren Energien.
TÜV Media GmbH, Köln 2014.
568 S., Preis: 99,-
ISBN: 978 -3-8249-1732-7

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