Hamminkeln

Juni 2018

Freibad_Bgm-im-Anzug_Wisnieswski_72dpiAm unteren Niederrhein liegt die nordrhein-westfälische Stadt Hamminkeln. Besonders Naturfreunde kommen durch die unzähligen Rad- und Wanderwegen im Naturpark „Hohe Mark“ auf ihre Kosten. Neben der naturbelassenen Landschaft bietet Hamminkeln außerdem ein breites Kulturangebot von Freibädern, Jugendzentren und das historische Schloss Ringenberg.

Auch der Klimaschutz und der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist für die Stadt ein wichtiges Anliegen. „Die Stadt Hamminkeln hat vor zwei Jahren deutlich die Folgen des weltweiten Klimawandels mit katastrophalen Folgen zu spüren bekommen. Aus diesem Grund ist die kommunale Motivation sich sowohl für den Klimaschutz als auch für die Energiewende einzusetzen, noch größer geworden“, so der Bürgermeister Bernd Romanski. Das Ziel, 75 Prozent des Stromverbrauchs bis zum Jahr 2020 aus Erneuerbaren Energien zu erzeugen, ist auch im kommunalen Klimaschutzkonzept verankert. Schon jetzt werden in der Kommune 60 Prozent regenerativ erzeugt. Ähnlich ambitioniert war auch das Ziel für die Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien, die von 4 Prozent im Jahr 2012 auf 20 Prozent bis 2020 gesteigert werden sollte. Dieses Ziel hat die Stadt vorzeitig übererfüllt. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien setzt die Stadt aktiv auf die Zusammenarbeit mit der engagierten Bürgerschaft. Bereits vor 17 Jahren hat Hamminkeln die Installation von Solarstromanlagen und thermischen Solaranlagen monetär gefördert. Fast alle geeigneten kommunalen Dachflächen sind mittlerweile mit Solaranalagen belegt.

Ein leuchtendes Beispiel und gleichzeitig etwas außergewöhnlichen Ansatz für eine gemeinschaftliche und dezentrale Energiewende in der Stadt ist die Zusammenarbeit mit dem Freibad-Verein Dingden. Der Betrieb von Solarstromanlagen sichert den Erhaltung und Weiterbetriebs des Freibades. „Auf diesem Weg kommt es für die Stadt als auch für den Freibadverein zu einer klassischen Win-Win-Situation, weil auf der einen Seite die Klimaschutzziele und auf der anderen Seite eine finanzielle Entlastung des Freibades erreicht werden kann“, freut sich Bürgermeister Bernd Romanski.

freibad 2018-08403Die Idee dazu kam vom Vereinsvorsitzenden des Freibad-Vereins, Helmut Wisniewski, der auch gleichzeitig Ratsmitglied der Stadtverwaltung ist. Der produzierte Strom der Photovoltaikanlagen wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist, weshalb der Verein neben seinen Ausgaben eine jährliche Zahlung von 20.000 Euro an die Stadt zum Erhalt des Freibades zahlen kann. Eine Anzeigetafel im Freibad zeigt die aktuelle Stromproduktion an und bringt so das Thema den Badegästen näher. Im sehr sonnigen Monat Mai 2018 wurden im Freibad mehr als 7.600 Kilowattstunden Solarstrom erzeugt.

Die Installation auf den Dächern des Freibades war aber für Herrn Wisniewski erst der Anfang. Nach einer öffentlichen Veranstaltung der Stadt zum Potenzial und der Installation von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dachflächen hat sich Helmut Wisniewski das stadteigene Solarkataster angeschaut. „Das Solarkataster von Hamminkeln hat dem Verein genau angezeigt, welche Dachflächen ertragreich sind“, so Wisniewski.

Das Resultat sind Solarstromanlagen auf öffentlichen Gebäuden, wie Turnhallen, Schulen und Feuerwehrwachen der Stadt Hamminkeln, die durch den Verein betrieben werden. Heute hat der Freibad-Verein bereits 1660qm² Solarstromanlagen installieren lassen. In der gesamten Stadt vermeiden diese Anlagen 145 Tonnen CO2 pro Jahr und erzielen einen wirtschaftlichen Gewinn von rund 60.000 Euro. Der Verein hat über einen Kredit von 430.000 Euro die Anschaffung und Installation finanziert. Die Kommune konnte hierbei eine Bürgschaft von 150.000 Euro übernehmen und somit das Engagement der Bürgerinnen und Bürger aktiv unterstützen. Beim Heizen des Wassers setzen die Vereinsmitglieder ebenfalls auf Erneuerbare Energien. Sie nutzen seit 2014 die Abwärme der Biogasanlage eines Landwirts. So sorgen sie dafür, dass das Wasser immer 27 Grad Celsius hat.

Neben der Solarstromproduktion und der effizienten Abwärmenutzung von Biogas hat die Kommune in Kooperation mit Carsharing-Unternehmen bereits an zwei Standorten Elektroautos zur Nutzung bereitgestellt. Die Elektroautos werden teilweise schon mit eigens produziertem Solarstrom geladen. Die Zusammenarbeit der Kommune mit dem Freibad zeigt einmal mehr, dass eine erfolgreiche Energiewende vor Ort gemeinsam gestaltet werden kann – für mehr Lebensqualität vor Ort und Klimaschutz weltweit.

Fotos: Stiller