Oktoberfest macht dicht

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Millionen Liter Bier werden geflossen sein, wenn am kommenden Montag das Oktoberfest dicht macht. Getreu dem Motto „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, gehören Deftiges und Alkohol quasi zur deutschen Festkultur. Rund 1,3 Liter Bier trinkt der Oktoberfest-Besucher im Schnitt, dieses Jahr dürfte es ähnlich sein. Hinzu kommt Hochprozentiges. Über den Durst trinken die Deutschen und ihre europäischen Nachbarn aber nicht nur, wenn es etwas zu feiern gibt. Vielmehr bewegt sich ihr Alkoholkonsum weit über dem gesundheitlich gut verträglichen Niveau. Die überschüssigen Prozente könnten viel besser in die Energiewende fließen, zum Beispiel in Biokraftstoffe.

Schließlich ist in der Vergangenheit viel von der Teller-Tank-Konkurrenz zu hören gewesen. In Europa – der Region mit dem weltweit höchsten Alkoholkonsum – gehört aber vielmehr die Teller-Tank-Tresen-Konkurrenz auf die Tagesordnung (und an die Stammtische). Jedenfalls legen das Zahlen der OECD nahe: Durch die Kehlen durstiger Europäer fließen umgerechnet 10,8 Liter an reinem Alkohol pro Jahr – die stecken in Bier, Wein, Schnaps und Likör. Folgt man offiziellen Empfehlungen der Deutschen Hauptstelle Sucht (DHS) so sollten es – gemittelt auf die meist resistenteren Lebern von Männern und die empfindlicheren von Frauen – weniger als 6 Liter sein. Bewusst genießen? Noch zu wenige Europäer beherzigen diesen Slogan für ihre Gesundheit!

Täten sie es aber, wohin dann mit dem kostbaren „Restalkohol“? Hier hilft die Energiewende. Denn immerhin geht es um eine überschüssige Menge von mehr als 2 Milliarden Liter Alkohol, die frei würde, wenn die Europäer „ihr Limit“ in Sachen Konsum von Bier, Wein und Schnaps kennten. Die im gesundheitlichen Interesse eingesparte Menge könnte in Millionen Ottomotoren zum Einsatz kommen und für umweltfreundliche Mobilität sorgen. Mehr als 1 Million Tonnen fossiler Kraftstoff könnte mit diesem Alkohol ersetzt werden. Die Debatte um die indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) wäre damit um eine Facette reicher. Die überschüssigen Prozente hätten als ALC-LUC zu gelten und müssten dem Getränkekonsum angerechnet werden.

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem monatlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. Er behandelt stets ein Thema der aktuellen energiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.