Global Governance und Erneuerbare Energien

global_governanceDie Bemühungen um ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll auf dem UN-Klimagipfel in Paris im November 2015 zeigen, dass der Klimawandel als ein globales Problem angesehen wird, welches einer kooperativen, grenzüberschreitenden Politik bedarf. Politikwissenschaftler bezeichnen eine solche internationale Politik mit Bezug zu den Problemen der Globalisierung als „Global Governance“. Wie sich diese im Bezug auf Erneuerbare Energien gestaltet, untersucht das 2015 im Springer-Verlag erschienene Fachbuch „Global Governance on Renewable Energy: Contrasting the Ideas of the German and the Brazilian Governments“ von Sybille Roehrkasten. Die Autorin vergleicht die Industrienation Deutschland mit dem Schwellenland Brasilien im Bezug auf ihren jeweiligen Ansatz,  Erneuerbare-Energien-Politik auf internationaler Ebene zu steuern. Vom Vergleich leitet sie ab, vor welchen Herausforderungen die effiziente kollektive Politikgestaltung steht, wenn es um den Ausbau Erneuerbarer Energien geht.

Die Untersuchung beruht auf der Ausgangsthese, dass globale Kooperation nur effizient sein könne, wenn die Akteure ein gemeinsames Verständnis hätten, welche Probleme vorhanden und welche Lösungswegen geeignet seien. Daher  analysiert die Wissenschaftlerin, wie Brasilien und Deutschland folgende Fragen beantworten: Was sind die globalen Herausforderungen vor dem Ausbau Erneuerbarer Energien? Welche Ziele soll sich die internationale Gemeinschaft setzen und welche Akteure können einen Beitrag leisten? Welche regenerativen Quellen sollen ausgebaut werden?

Roehrkasten kommt zu dem Schluss, dass sich die deutschen und brasilianischen Handlungsweisen und Prioritäten stark unterscheiden. Deutschland setze sich primär für Umweltschutz und für den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie ein. Für Brasilien hingegen seien das sozioökonomische Wachstum von Entwicklungsländern, die Schaffung offener globaler Märkte für Erneuerbare Energie und der Ausbau von Biokraftstoffen am wichtigsten. Aus dem Vergleich arbeitet die Autorin Faktoren heraus, die die internationale Zusammenarbeit erschweren oder sogar verhindern können. Offen bleibt jedoch die Frage, wie diese eventuell überwunden werden könnten. Weiterhin werden wichtige anknüpfende Themen wie zum Beispiel die Rolle von anderen Akteuren (NGOs, Unternehmen, Lobby-Gruppen, Bürgerinitiativen, usw.) gar nicht oder nur kurz diskutiert.

Obwohl sich das Buch vor allem an Wissenschaftler und Studenten der Global Governance richtet, kann es auch für Politiker und andere Akteure, die im Bereich Erneuerbarer Energien tätig sind und deren Ziele die nationalen Grenzen überschreiten, von Interesse sein. Besonders in Hinsicht auf die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen, die vor kurzem stattfanden und zu einer gemeinsamen Klimaschutzerklärung führten, kann das Buch gute Hintergrundinformation und besonders Auskunft über die Herausforderungen für die Zusammenarbeit der beiden Ländern liefern.

Sybille Roehrkasten:
Global Governance on Renewable Energy: Contrasting the Ideas of the German and the Brazilian Governments
Springer VS, 2015
312 Seiten
ISBN 978-3-658-10479-5 (Print)
ISBN 978-3-658-10480-1 (eBook)

Bildquelle: © Springer Verlag

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.

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