Neustrelitz: Energie-Kommune des Monats Oktober

Logo_AEE_orange_400x300Die Neustrelitzer Bürger beziehen den Großteil ihrer Wärme aus Erneuerbaren Energie. Momentan wird über 80 Prozent der Wärme mit einem Biomassekraftwerk für die rund 22.000 Einwohner gewonnen. Ausschlagend für den Bau waren nicht allein die positiven Auswirkungen für die Umwelt. Das  war von Anfang so konzipiert, dass es sich rechnet. „Das war eine Frage des Überlebens für unser Fernwärmenetz“, sagt Bernd Haase, Betriebsleiter der Stadtwerke Neustrelitz. Nach der Inbetriebnahme des Kraftwerks konnte der durchschnittliche Fernwärmepreis von 78,82 auf 62,48 Euro je Megawattstunde gesenkt werden.


Langfristige Kostenkontrolle

Die Stadtwerke Neustrelitz gehören zu 100 Prozent der Stadt. Ausschlagend für die Planung und den Bau des großen Biomassekraftwerks waren die steigenden Erdöl- und Erdgaspreise. Die Stadtwerke konnten die Kunden nur dauerhaft an das Fernwärmenetz binden, wenn die Preise stabil bleiben. Angesichts der hohen Preise bestand die Gefahr, dass Kunden sich reihenweise vom Wärmenetz abkoppelten und selbst Heizungen installierten. Und je weniger Kunden am Fernwärmenetz hängen, desto größer wird das Defizit. Die Stadtwerke Neustrelitz mussten handeln.

Das Biomassekraftwerk Neustrelitz

Im November 2005 ging das Kraftwerk ans Netz. Bereits ein Jahr nach der Fertigstellung konnten die Preise für die Kunden wieder gesenkt werden. „Mit dem Biomassekraftwerk können wir Unternehmen eine kalkulierbare Entwicklung der Energiekosten garantieren. Ein großer Standortvorteil für Gewerbeansiedlungen“, betont Haase. Die Baukosten beliefen sich auf 17,5 Millionen Euro. Davon wurden vom Land Mecklenburg-Vorpommern Fördermitteln von rund zwei Millionen bereitgestellt. 2007 erzeugte das Kraftwerk 55.000 Megawattstunden Wärme und 50.000 Megawattstunden Strom.

Holz ist CO2-neutral

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen profitiert auch das Klima von der Erneuerbaren Wärme. Die Verbrennung von Holz erfolgt CO2-neutral, da lediglich soviel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie der Baum im Laufe seines Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Die CO2-Einsparung durch das Neustrelitzer Holzkraftwerk liegt bei 14.500 Tonnen pro Jahr - dies entspricht den CO2-Emissionen von etwa 7.000 deutschen PKW.

Der Rohstoff Holz kommt aus der Region

Die Unabhängigkeit der Holzenergie von Energiekrisen, die regional im ausreichenden Maße vorhanden ist, garantiert die Wirtschaftlichkeit des Biomassekraftwerks. In der Anlage werden ausnahmslos Hackschnitzel aus unbehandeltem Holz verbrannt. Die verwendeten Holzreste bestehen überwiegend aus Waldrestholz, das bei der Durchforstung in den umliegenden Wäldern anfällt. Zur Strom- und Wärmeproduktion werden jedes Jahr 85.000 Tonnen Hackschnitzel benötigt, das entspricht zehn LKW-Ladungen am Tag. „Zu Beginn hatten wir nur drei Zulieferer. Heute sind es schon fünfundzwanzig“, stellt Haase fest.

Akzeptanz durch Aufklärung

Ein Bioenergieprojekt, das inmitten einer Stadt entsteht, kann nur mit den Anwohnern vor Ort realisiert werden. Daher wurde schon im Vorfeld eine intensive Informationsarbeit betrieben. Die Stadtwerke luden zu Informationsveranstaltungen ein, druckten Informationsmaterialien, organisierten Besichtigungen und diskutierten das Thema in Schulen. Um die Philosophie der Transparenz sichtbar zu machen, wurde eine Seite des Kraftwerks mit einer gläsernen Wand ausgestattet, um allen Interessierten ein Blick hinter den Kulissen zu ermöglichen.

Erneuerbare Energien erleben – Das Informationszentrum

In direkter Nachbarschaft zum Biomassekraftwerk wurde im Frühjahr 2008 der Grundstein zur Errichtung des „Landesinformations- und Demonstrationszentrum Erneuerbarer Energien“ gelegt. Das Land Mecklenburg – Vorpommern unterstützt das 2,3 Millionen Euro-Projekt. Auch der Initiator, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Till Backaus, kam zur Grundsteinlegung. Er betonte bei der Grundsteinlegung die positiven Effekte für den Tourismus durch das Informationszentrum. Noch im Herbst soll das Informationszentrum eröffnet werden.

Ansprechpartner

Stadtwerke Neustrelitz GmbH
Bernd Hasse/ Betriebsleiter
Wilhelm-Stolte-Str.90
17235 Neustrelitz
haase(at)stadtwerke-neustrelitz.de

www.stadtwerke-neustrelitz.de