Neue Studie zu Biokraftstoffen: Auf Alternative zu immer schmutzigerem Erdöl darf nicht verzichtet werden

Logo_AEE_orange_400x300Berlin, 9. Juni 2009 – Laut einer aktuellen Untersuchung über „Globale Bioenergienutzung – Potenziale und Nutzungspfade“ leisten Biokraftstoffe einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz und sind für die globale Energieversorgung unentbehrlich. Dies gilt umso mehr, je knapper Erdöl wird und je stärker auf noch schmutzigere Treibstoffe aus Teersanden, Ölschiefer oder Kohle zurückgegriffen wird. Die pflanzlichen Rohstoffe für Biokraftstoffe können dagegen ökologisch verträglich und in ausreichender Menge angebaut werden, ohne in Konkurrenz zur Nahrungs- oder Futtermittelproduktion zu treten.


„Biokraftstoffe sind eindeutig besser als ihr Ruf. Sie sind aktuell die einzige ernstzunehmende Alternative zu fossilen Kraftstoffen“, sagt Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, in deren Auftrag die Studie erstellt wurde. „Ein weltweiter Systemwechsel hin zu Elektromobilität oder Wasserstoffantrieben wird noch Jahrzehnte dauern. Bis dahin darf Klimaschutz im Verkehrssektor nicht einfach ausgeblendet werden.“  Natürlich müsse auch im Verkehrsbereich zunächst der Verbrauch gesenkt werden, betont Mayer. Parallel dazu sollten jedoch die nachhaltige Produktion und Nutzung von Biokraftstoffen ausgebaut werden.


„Weniger Biokraftstoffe bedeuten mehr schmutziges, fossiles Öl im Verkehrsbereich, die Folge sind mehr CO2-Emissionen. Eine solche Politik ist schlichtweg irrational“, sagt Johannes Lackmann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).


Die Studie widerspricht einer Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Dieser hatte für einen schnellen Ausstieg aus der Förderung von Biokraftstoffen im Verkehrsbereich plädiert, da der Einsatz von Energiepflanzen zur Strom- und Wärmeproduktion (Kraft-Wärme-Kopplung) klimafreundlicher und effizienter sei. Dem hält Mayer entgegen: „Bei Strom- und Wärmeversorgung ist die Bioenergie eine von mehreren technisch ausgereiften Alternativen. Im Transportbereich muss sie den Klimaschutz derzeit noch allein stemmen.“


Rund 60 Prozent des weltweit geförderten Erdöls dienen als Treibstoff für den Transportsektor. Schon heute lassen sich durch den Einsatz von Biokraftstoffen CO2-Emissionen in erheblichem Umfang vermeiden, so ein Ergebnis der Studie. Dieser Vorteil kommt noch stärker zum Tragen, wenn man die Produktion  unkonventioneller fossiler Kraftstoffe aus Teersanden, Ölschiefer oder Kohleverflüssigung zum Vergleich heranzieht. „Das muss man fairerweise tun, da die gut zugänglichen Ölquellen bald erschöpft sind und ein steigender Ölpreis diese Entwicklung forciert“, betont Lackmann. „Solche Treibstoffe verursachen eine beispiellose Umweltzerstörung und setzen gegenüber heutigem Erdöl bis zu 190 Prozent mehr CO2 frei. Wenn wir jetzt keinen Umstieg auf Kraftstoffe aus Biomasse schaffen, wird das Erreichen der Klimaschutzziele utopisch.“

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass etwa ein Viertel der aktuell 3,5 Milliarden Hektar degradierter Flächen weltweit ausreichen würde, um die Hälfte des heutigen globalen Kraftstoffverbrauchs zu decken. Dabei sei kein Konflikt mit dem Artenschutz oder der Ernährungssicherheit zu erwarten. „Klimaschutz ist der beste Artenschutz“, betont Jörg Mayer. „Deshalb darf kein Weg ignoriert oder verbaut werden, der zu diesem übergeordneten Ziel führt. Wer Biokraftstoffe für den Hunger in der Welt oder den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich macht, verwechselt Ursache und Wirkung: Wetterextreme, Dürren und Hungerkatastrophen gehen letztlich auf die Rechnung unseres ungezügelten Verbrauchs fossiler Brennstoffe.“  

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