Netzausbau als dringliche Aufgabe

netz_gelber_himmelDie Umweltverbände Germanwatch, Deutsche Umwelthilfe, NABU und WWF beschreiben den Zustand des deutschen Stromnetzes wie folgt: Aktuell fehlen ausreichende Übertragungskapazitäten, so dass Erneuerbarer Strom aus dem Norden immer häufiger nicht zu den Verbrauchszentren im Süden transportiert werden kann. Die Konsequenz: Netzbetreiber regeln die Windkraftanlagen im Norden ab und schalten in Süddeutschland Kraftwerke auf Basis fossiler Energieträger zu, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Dies verursache Mehrkosten für die Verbraucher und zusätzliche CO2-Emissionen, die das Klima belasten. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur konnten allein im ersten Halbjahr 2015 rund 1,4 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom nicht ins Netz eingespeist werden. Der Ersatz durch fossile Kraftwerke führte in der Folge zu einem zusätzlichen Ausstoß von etwa einer Million Tonnen CO2.

Die Stuttgarter Zeitung führt ihren Lesern die Situation am Beispiel des Stromtiefs Niklas vor Augen, das zwischen dem 30. März und dem 2. April 2015 über Norddeutschland fegte und innerhalb kurzer Zeit Hunderte Windräder vor und an den deutschen Küsten unter Volllast setzte. Bis zu 30 Gigawatt Energie – das 30-Fache der Nennleistung eines Großkraftwerks – drückten „plötzlich“ ins deutsche Stromnetz. Was sich bei solchen Wetterlagen aufgrund der Netzsituation ergibt, beschreibt der Autor als „besonders paradox“: Große Mengen an Öko-Energie müssten weggeworfen werden, weil sie schlicht nicht mehr von den vorhandenen Leitungen abtransportiert werden können. Auch das Manager Magazin berichtet über das Abregeln von Windrädern im Norden Deutschlands und beschreibt die Situation von Offshore-Windparks.

Wie Focus Online mit Verweis auf die Bundesnetzagentur berichtet, führt der bestehende Netzengpass zwischen Nord- und Süddeutschland dazu, dass die Anzahl der Eingriffe zur Sicherung der Netzstabilität im ersten Halbjahr 2015 bereits das gesamte Vorjahr übertrafen. Daher begrüßen auch so viele Umweltschutzverbände die Entscheidung des Bundesrates für das Gesetz zum Energieleitungsbau im Dezember 2015. Es soll dazu beitragen, dass der Netzengpass in den nächsten Jahren durch neue Trassen reduziert wird.

Als „wichtiger Erfolg“ gilt daher auch die Inbetriebnahme der Thüringer Strombrücke, über die u.a. der Bayerische Rundfunk berichtet. Ein höchstbelasteter Netzengpass Deutschlands werde erheblich entschärft.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.