Energie-Riese investiert in deutsche Erdwärme

Mit dem Einstieg des größten italienischen Energieversorgers Enel in die Erdwärme Oberland GmbH festigt die deutsche Geothermiebranche ihre internationale Position

BVG_logo_400x300Berlin/Weilheim, den 20. Januar 2016. Mit einer Summe von 22 Millionen Euro kauft sich Enel Green Power bei der Erdwärme Oberland GmbH ein. Die Erneuerbare-Energien-Tochter des italienischen Stromversorgers ist auf vier Kontinenten aktiv und betreibt nach eigenen Angaben weltweit über 740 Energieerzeugungsanlagen. Für Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbandes Geothermie e.V., ist der Einstieg ein wichtiger weiterer Schritt für die Zukunft der deutschen Erdwärmebranche: „Enel kann mit Fug und Recht von sich behaupten, eine hundertjährige Erfahrung in der Nutzung von Erdwärme zu haben. Denn vor über 110 Jahren begann in der Toskana die Erzeugung von Strom aus Thermalwasser. Das seither in Italien erworbene Wissen wird der deutschen Erdwärmebranche einen kräftigen Schub verleihen.“

Aktuell sind in Deutschland acht Geothermieanlagen am Netz, die Strom erzeugen, zwei weitere in Bayern stehen kurz vor ihrer Inbetriebnahme. Hinzu kommen etwa zwei Dutzend Heizanlagen, die meisten befinden sich im Besitz von lokalen Stadtwerken. Insbesondere in Bayern werden Geothermieanlagen geplant und auch am Oberrhein sowie in Nord- und Ostdeutschland gibt es Regionen, die prädestiniert sind für die Nutzung der Erdwärme in großem Maßstab. Geothermieanlagen versorgen in der Regel mehrere tausend Menschen mit CO2-freier Fernwärme oder Strom – im Idealfall sogar mit beiden Energieformen gleichzeitig.

„Der Einstieg solch großer Investoren ist ein Beweis für das große Potenzial, das in der deutschen Erdwärme steckt. Sie ist die einzige in großem Maße ausbaubare erneuerbare Energieform, die rund um die Uhr zur Verfügung steht und so das Stromnetz stabilisiert. Das müsste nun wieder die schlafenden deutschen Energieriesen überzeugen, die sich seit dem Wiedereinstieg in die Kernenergie 2010 bewusst von der Geothermie abgewandt haben“, erklärt Knapek. Insbesondere die Region Oberbayern wird in der Fachwelt inzwischen in einem Atemzug mit den europäischen Geothermie-Hochburgen Toskana und Paris genannt. „Ein Fakt, der auch im Ausland Investoren überzeugt“, freut sich Knapek. 

Geothermie (Erdwärme)
Erdwärme wird in Deutschland seit über 30 Jahren genutzt, meist in Form von Erdwärmesonden oder Brunnen. Insbesondere in der ehemaligen DDR wurde intensiv an dieser Energieform geforscht und in sie investiert. Die erste deutsche tiefengeothermische Heizanlage ist seit 1984 in Waren an der Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) in Betrieb, die ersten Kraftwerke in Landau (Rheinland-Pfalz)und Unterhaching (Bayern) wurden 2007 ans Stromnetz angeschlossen.

Über 330.000 oberflächennahe Geothermieanlagen versorgen in Deutschland meist kleine Wohn- und Gewerbeeinheiten mit der Wärme aus dem Erdreich. Sie stellen derzeit bereits über 4.000 Megawatt Wärmeleistung zur Verfügung. Ab einer Tiefe von 400 Metern wird von Tiefengeothermie gesprochen. Diese Anlagen gewinnen Fernwärme aus Thermalwasser oder aus dem heißen Gestein. Ab einer Temperatur von 100 Grad Celsius lässt sich zudem Strom erzeugen. Diese Temperatur wird in Deutschland in etwa 2.500 bis 5.000 Metern erreicht. Derzeit stellen in Deutschland 33 Tiefengeothermie-Anlagen 280 Megawatt Wärmeleistung und ca. 32 Megawatt elektrische Leistung bereit.

weitere Informationen zu Enel: www.enel.com
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