Energiewende als Revolution

Laut Online-Enzyklopädie ist eine Revolution ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt. Sie können Herrschaftssysteme, die Wirtschaft, die Technik, die Wissenschaft oder die Sozialordnung von Staaten betreffen. Als Revolution beschreibt Michael Bauchmüller in einem ausführlichen Samstagsessay in der Süddeutschen Zeitung auch die Energiewende. Denn die Energiewirtschaft sei bereits dabei, sich maßgeblich umzustrukturieren.

In seinem umfangreichen Essay zeigt Journalist Michael Bauchmüller auf, wo und wie der Wandel bereits begonnen hat und skizziert die daraus entstehenden Reibungspunkte. Ein Beispiel: Seit dem UN-Klimagipfel in Paris Ende 2015 seien die Dekarbonisierung und damit der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas erklärtes Ziel der Staatengemeinschaft. Vor allem für Deutschland werfe das nun eine heikle Frage auf: Wolle das Land den Umbruch gestalten oder wolle es sich vom Umbruch gestalten lassen?

Es liege in der Natur technologischer Revolutionen, dass es Sieger und Verlierer gibt. Daher rät der Autor, möglichst rasch einen gemeinsamen Fahrplan für das Ende alter Kraftwerke festzulegen. Dass sich Gewerkschaften und Beschäftigte gegen eine solche Abwicklung mit Händen und Füßen wehrten, sei nahe liegend und hätte zahlreiche vorhergehende Beispiele. Doch Bauchmüller warnt: „Der aufgeschobene Strukturwandel war stets der schmerzhaftere.“

Das Essay führt viele Nachrichten des Jahreswechsels 2015/2016 zusammen und erschließt mit ihnen einen größeren Zusammenhang. Der Blick in die Zukunft am Ende des Textes ist versöhnlich: Während bisherige Akteure zwar auch verschwinden können, ergeben sich neue Geschäftsmodelle mit heute noch unfassbaren neuen Ideen.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.