Rechnen mit Pippi Langstrumpf

kurzschlussteaser_250Zwei mal drei macht vier, / widewidewitt und drei macht neune, / ich mach mir die Welt, / widewide wie sie mir gefällt…. Einmal gehört, sind diese Zeilen ein richtiger Ohrwurm, der sich einem im Alltagsleben immer mal wieder einschleicht. So erging es vielleicht auch dem scheidenden EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CSU) als er das Institut Ecofys beauftragte, die Zuschüsse und Kosten der Energieversorgung in der Europäischen Union zu bestimmen. Im September 2013 war dem Kommissar vorgeworfen worden, er hätte einen Subventionsbericht geschönt, indem er Zahlen aus dem Dokument herausstrich, die zeigten, dass die europäischen Staaten herkömmliche Energieträger weiteraus mehr mit Staatsgeldern gefördert hätten als Erneuerbare Energien. Die Zahlen seien nicht verbürgt gewesen, kommentierte damals seine Sprecherin. Kurz danach gab Oettinger die mittlerweile vorliegende Analyse bei Ecofys in Auftrag.

EU-Subventionsbericht Energie veröffentlicht

In der Pressemitteilung der Kommission heißt es zum Ergebnis, es sei „wenig überraschend“, dass der größte Teil der staatlichen Förderungen in Erneuerbaren Energien geflossen sei. Schaut man in die Studie, liegt dieser Schluss auf den ersten Blick nahe: Die Analyse führt aus, dass die Förderung Erneuerbarer Energien 2012 in den Staaten der Europäischen Union 40 Milliarden Euro betrug. Für Kohle, Gas und Atomenergie weist die Studie – widewide – hingegen 22 Milliarden aus. Beim zweiten Blick stellt der sorgfältige Leser allerdings fest, dass die Studie die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten mit 14 Milliarden extra aufführt, obwohl es sich bei diesem Punkt ganz schnöde um eine Förderung der Konventionellen handelt. In der Summe kommen Kohle, Gas und Atomenergie also schon auf 36 Milliarden Euro, so dass der Unterschied zwischen klimafreundlicher und klimaschädlicher Energieversorgung nun „wenig überraschend“ nicht mehr so groß ist. Extra ausgewiesen und damit nicht in den per Pressemitteilung hervorgehobenen Summen sind außerdem die historische Förderungkosten der Energieversorgung. Sie bilden zum Beispiel ab, wie hoch die Förderung der Atomenergie zu Zeiten des nichtliberalisierten Marktes war, in denen diese Technologie noch am Anfang ihrer Entwicklung stand. Extra aufgeführt sind auch die Folgekosten von jährlichen 150 bis 310 Milliarden, die sich für Umwelt, Klima und Gesundheit aus der Energieversorgung vor allem aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern ergeben. Vor diesem Hintergrund hätten die aus der Studie abgeleiteten Botschaften der EU-Kommission – widewide – schon ganz anders lauten können. Wenn da nicht der Ohrwurm wäre. Wie es scheint, macht sich nicht nur Pippi Langstrumpf die Welt so, wie sie ihr gefällt.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, in der Rubrik "Kurzschluss" veröffentlicht. Der Kurzschluss behandelt einmal im Monat ein energiepolitische Thema - mit Augenzwinkern.