Genug Fläche für Erneuerbare

Am 16. Oktober 2018 publizierte der WWF die Studie „Zukunft Stromsystem II – Regionalisierung der erneuerbaren Stromerzeugung“ in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut und Prognos. Nach dem ersten Teil der Studie „Zukunft Stromsystem – Kohleausstieg 2035“, die 2017 erschien, zeigt der WWF nun Möglichkeiten für eine nachhaltige Stromerzeugung unter Berücksichtigung des Naturschutzes auf. Hierfür ermittelten die Forscher nicht nur den Bedarf an erneuerbarem Strom für die kommenden Jahrzehnte. Auch die Fläche, die die Erzeugungsanlagen in Deutschland in Anspruch nehmen würden, wurde berechnet.

Die Studie spielte zwei Szenarien durch, die zur vollständigen Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien führen können. Das Szenario „Energiewende-Referenz“ orientiert sich an dem aktuellen Plan, der vermehrt Windkraftanlagen im Norden Deutschlands vorsieht. Einen stärkeren Ausbau der Sonnenenergie, vorrangig im Süden und Westen Deutschlands, beschreibt das Szenario „Fokus Solar“. Berechnungen in der Studie zeigen, dass mit dem Szenario „Energiewende-Referenz“ für die alleinige Stromversorgung aus Erneuerbaren im Jahr 2050 auf 2,5 Prozent der deutschen Landesfläche für die Errichtung von Anlagen zurückgegriffen werden müsste. Mit dem Fokus auf Solarenergie würden die notwendigen Anlagen sogar nur zwei Prozent der Fläche in Anspruch nehmen.

Der Studie zufolge ist in der Gesamtsicht „ein solcher Ausbau der erneuerbaren Energien auch unter Berücksichtigung konservativer Ansätze für die nutzungs-, akzeptanz- und naturschutzbedingten Flächenrestriktionen möglich.“ Besonders durch eine effiziente Flächennutzung der Photovoltaik-Anlagen könne auch die Bebauung nicht restriktionsfreier Flächen nach 2045 vermieden werden.

Laut dem EcoReporter „versucht die Studie, einen beliebten Einwand gegen die Energiewende zu entkräften. Er lautet: In Deutschland fehlt es an Platz, um die Stromversorgung komplett auf Erneuerbare Energien umzustellen.“ Der Artikel hebt hervor, dass für die Umsetzung des Szenarios Fokus Solar „so gut wie alle nutzbaren Dachflächen in Deutschland mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet werden.“ Der EcoReporter gibt jedoch auch zu bedenken, dass die Studie mit einem Strombedarf von 700 Terawattstunden 2050 rechnet. „Forscher des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik gehen davon aus, dass 2050 in Deutschland 1.000 Terawattstunden produziert werden müssen, um den Bedarf aller Stromanwendungen (Elektrizität, Straßen- und Bahnverkehr, Wärme) zu decken.“

Der WDR berichtet, dass mit Blick auf die WWF-Studie in Nordrhein-Westfalen für eine Vollversorgung mit erneuerbarem Strom 2,4 Prozent der Fläche des Bundeslandes für den Bau von Photovoltaik- und Windanlagen benötigt würden. Mit dem Fokus auf die Solarenergie wären es lediglich 1,5 Prozent der Landesfläche. Dennoch sei der Ausbau der Erneuerbaren im Bundesland stockend, so habe zuletzt das Verwaltungsgericht Aachen den Bau eines Windparks in der Eifel gestoppt. „Dabei scheint NRW beim Ausbau der erneuerbaren Energien hinterherzuhinken“, so der WDR mit Bezug auf die Bundesnetzagentur und ihre Daten zur EEG-Umlage. Lediglich 2,37 Milliarden Euro von 24 Milliarden Euro flossen 2016 in das Bundesland. Man sei der größte Netto-Zahler im Vergleich zu den anderen Ländern, so der Vorsitzende des Landesverband Erneuerbare Energien Reiner Priggen. Es fließe weniger Vergütung für regenerative Energien nach NRW, „als wir an EEG-Umlage für unseren Strom zahlen.“

Die TAZ zieht den Vergleich, dass in Deutschland 4,5 Prozent der Landesfläche mit Straßen bebaut sind, also viel mehr als Anlagen für die Produktion von Erneuerbaren Energien zur vollständigen Stromversorgung benötigten. Um den Kohleausstieg 2035 zu realisieren, brauche es „einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren von mindestens 2,5 Gigawatt Ökostrom im Jahr“, zitiert die TAZ aus der Studie. Große Flächen dafür gibt es besonders „in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo zwischen 6 und 7 Prozent für Ökostrom nutzbar seien.“ Die TAZ zitiert einen Mitautor der WWF-Studie Felix Matthes vom Öko-Institut: „Fläche ist die neue Währung“.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.