Netzausbau läuft!


netz_gelber_himmelDie aktuelle Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist getrieben vom Argument, der Ausbau der Netze hinke dem Ausbau Erneuerbarer Energien hinterher. Daher müssten die Wind-, Sonnen- und Bioenergie verlangsamt ausgebaut werden. Vor diesem Hintergrund sprach die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel mit dem Chef des Netzbetreibers 50Hertz, Boris Schucht. Sein Unternehmen ist einer der vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und damit verantwortlich für die überregionalen Stromnetze zur elektrischen Energieübertragung im Osten Deutschlands. Etwa 10.000 Kilometer Leitungslänge werden unmittelbar von 50Hertz betrieben. Obwohl das Interview mit Schuchts Aussage „80 Prozent Erneuerbare sind kein Problem“ betitelt ist, macht auch der 50Hertz-Chef gleich zu Beginn deutlich, dass der Ausbau der Erneuerbaren und der Netze besser synchronisiert werden müsste. Warum, wird im Folgenden allerdings nicht ganz klar, da seine Beschreibung des aktuellen Stands der Dinge und auch sein Blick in die Zukunft vor allem positive Aspekte hervorhebt: Zum einen gäbe es heute schon sehr gut funktionierende Wetterprognosen, die nur noch mit zwei Prozent Abweichung abbilden könnten, wie viel Wind- oder Solarstrom voraussichtlich ins Netz eingespeist werde. Zum anderen würden Windenergieanlagen heute sowohl zur Spannungshaltung beitragen, als auch Regelenergieleistung bereitstellen können. Schucht sieht, dass Erzeugung und Nachfrage im Erneuerbaren Energiesystem mit Hilfe von Speichern zusammengebracht werden müssen, geht allerdings davon aus, dass der Bedarf an Speichern erst ab 2030 deutlich wachse. Dabei hätten Wasserspeicher einen großen Nutzen und den Vorteil, dass sowohl skandinavische als auch deutsche Firmen ein wirtschaftliches Interesse daran hätten, diese zu nutzen. „Da braucht es nicht einen Euro Subvention, das rechnet sich allein über den Handel in beide Richtungen vom ersten Tag an“, so Schlucht. Der 50Hertz-Chef geht auch auf die Sonnenfinsternis ein, die 2015 im Vornherein viel Aufregung verursacht hatte, um dann allerdings keine Probleme im Netz zu verursachen. Er sieht in dem Phänomen ein interessantes Experiment, das zukünftig typische Solarstromtage simuliert habe.

„[Es] gab es einen relativ starken Anstieg der Solarleistung in sehr kurzer Zeit. Es waren rund 14 000 Megawatt in etwa 45 Minuten. Wir hatten uns lange damit beschäftigt, ob wir das können. Wir haben dabei festgestellt, dass wir viel mehr Flexibilitätsleistung hatten, als wir vermuteten, um das abzufangen – und zwar über den Markt, der das sehr gut abgebildet hat. Die Sonnenfinsternis hat gezeigt, wir sind schon heute recht gut darauf vorbereitet, die Fotovoltaik ins System zu integrieren. Wir sind auf dem richtigen Weg, um in der Lage sein zu können, in Zukunft 70 bis 80 Prozent erneuerbare Energien ohne zusätzliche Flexibilitätsoptionen integrieren zu können. Was wir an Flexibilitätsangeboten haben, wird uns bis 2030 oder sogar 2040 ausreichen.“

Am Ende fokussiert das Interview auf die Rahmenbedingungen des Netzausbaus und die Strategie des Unternehmens, Landesregierungen und Bürger in die Vorhaben einzubeziehen. Auch hier zieht Schucht eine positive Bilanz. Der Leser erhält so den Eindruck, als hinke der Netzausbau im Osten Deutschlands nicht hinterher:

„Wir haben im Schnitt jedes Jahr 100 Kilometer neue Leitungen an Land gebaut. Vergangenes Jahr haben wir 900 Millionen Euro in den Leitungsbau investiert. Das ist eine hohe Zahl. Rund 1000 Kilometer sollten wir in den kommenden zehn Jahren schaffen. Wenn wir weitermachen wie bisher, können wir das auch erreichen. Das wird nicht bei jedem Projekt problemlos funktionieren. Aber der Netzausbau ist bei uns Realität.“

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.