BMWi stellt Aktionsplan Stromnetz vor

Weil der Ausbau der Stromnetze weit in Verzug ist, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Mitte August 2018 seinen Aktionsplan Stromnetz vorgestellt. Er will zum einen das bestehende Netz optimieren und besser auslasten und zum anderen den Netzausbau beschleunigen.

Optimierung des Bestandnetzes geplant

Um das Bestandsnetz zu optimieren, schlägt Altmaiers vierseitiger Aktionsplan verschiedene Maßnahmen vor: konsequentes Monitoring der Freileitungen in Echtzeit, neue Leiterseile, intelligente Steuerung der Leistungsflüsse oder regelbare Ortsnetztransformatoren. Auch neue Technologien und Innovationen wie eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung der Stromnetze, neue automatisierte Betriebskonzepte oder die Steuerung des Stromflusses mit Hilfe der Leistungselektronik sollen erprobt und eingesetzt werden. Letztendlich soll das Engpassmanagement optimiert und die vorhandenen Potenziale zur Kostensenkung gehoben werden.

Beschleunigung des Netzausbaus geplant

Neue Netze sollen mithilfe vereinfachter Planungsverfahren ermöglicht werden. Dafür solle das Netzausbaubeschleunigungsgesetz im Herbst 2018 novelliert werden (Stichwort NABEG 2.0). Künftig könnte dann auf das Anzeigeverfahren für kleinere Netzverstärkungsmaßnahmen oder die Bundesfachplanung bei der Nutzung vorhandener Trassen verzichtet werden. Zum besseren Controlling sollen sich alle Akteure, Netzbetreiber wie auch Planungsbehörden, Länder und die Bundesnetzagentur verständigen, wie Hindernisse beim Netzausbau zu überwinden seien und dafür konkrete Ziele mit einander vereinbaren.

Energiewirtschaft begrüßt Aktionsplan Stromnetze und fordert Zeitplan ein

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßten den Aktionsplan und die darin enthaltenen Vorschläge. Der BDEW vermisst allerdings einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung, der BEE mahnt an, dass die Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden müssten. Der BEE vermisst außerdem einen entsprechenden Aktionsplan für Speicher sowie Vorschläge zur Reduktion der konventionellen Mindesterzeugung. Strom aus inflexiblen, konventionellen Kraftwerken, insbesondere Kohlekraftwerken, dürfe nicht länger die Netze verstopfen.

Aktueller Stand: Netzausbau ist in Verzug

Bereits im Jahr 2009 wurde mit der Verabschiedung des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) der Fokus auf den beschleunigten Netzausbau auf Höchstspannungsebene gelegt. Das EnLAG sieht den Bau von rund 1.800 km neuen Leitungen vor. Laut dem Ende Dezember 2017 veröffentlichten Monitoringbericht der Bundesnetzagentur waren 2017 davon rund 1.000 Kilometer genehmigt und davon rund 750 Kilometer realisiert, das sind rund 40 Prozent der Gesamtlänge. Die Bertragungsnetzbetreiber rechnen mit der Fertigstellung von etwa 80 Prozent der EnLAG-Leitungskilometer bis zum Jahre 2020.

Bundesregierung prüft „Relativierung“ des Einspeisevorrangs für Erneuerbare Energien

Die derzeitigen Netzengpässe dienen der Bundesregierung auch als Argument, um eine Relativierung des Einspeisevorrangs für Erneuerbare Energien zu prüfen. Das geht aus einer Antwort von Ulrich Nußbaum, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Diese Antwort verweist auf die Studie „Entwicklung von Maßnahmen zur effizienten Gewährleistung der Systemsicherheit im deutschen Stromnetz“ der Gutachter Consentec, bbh und Ecofys im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. „Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich durch eine moderate Relativierung des Einspeisevorrangs für Erneuerbare Energien und KWK-Anlagen im Netzengpassmanagement nennenswerte Netzengpasskosten einsparen lassen“, heißt es in dem Schreiben: „Die Bundesregierung prüft derzeit, ob und gegebenenfalls wie die Vorschläge aus der Studie umgesetzt werden können.“ 

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.