Solarworld stellt Insolvenzantrag

solarworld_bpk_2015_02_grDeutschlands größter Solarhersteller Solarworld hatte Mitte Mai 2017 Insolvenz beantragt. Solarworld beschäftigt insgesamt knapp 3300 Menschen - davon rund 2600 in Deutschland in der Bonner Zentrale, in Arnstadt (Thüringen) und in Freiberg (Sachsen). 2016 hatte Solarworld unterm Strich knapp 92 Millionen Euro Verlust gemacht. Während nun der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg nach Lösungen sucht, forschten die deutschen Medien nach den Gründen für die Unternehmenspleite. Firmenchef Frank Asbeck kam in mehreren Medien zu Wort: Er begründet die Insolvenz mit der chinesischen Konkurrenz, die dank staatlicher Eingriffe den Markt mit Billigmodulen überschütten konnte und deutschen Herstellern keine Chance gelassen hätte. Zeit Online macht den Faktencheck und analysiert, was dran ist an Asbecks These. Demnach seien chinesische Firmen mit niedrigen Löhne und staatlichen Hilfen tatsächlich ein unfairer Konkurrent. Doch der Zeit-Artikel kritisiert auch Asbecks unternehmerische Entscheidungen: Auf Dauer hätte dieser sein Unternehmen in Deutschland nur halten können, wenn er sich auf technisch höherwertige und damit für die Billigkonkurrenz weniger anfällige Produkte spezialisiert hätte. Denn nur diese hätten die hohen Fertigungskosten des Standortes Deutschlands rechtfertigen können.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung argumentiert, Solarworld sei nicht der einzige Solarkonzern, der den bitteren Gang zum Amtsgericht antreten musste. Von einst 16 börsennotierten deutschen Unternehmen, die ganz oder sehr stark in der Solarbranche aktiv waren, sei gerade einmal vier die Insolvenz erspart geblieben. Als Grund nennt die FAZ das Auf und Ab der internationalen Förderpolitik; besonders auch im Zuge der Finanzkrise hätten mehrere Staaten die Vergütungen für Photovoltaikanlagen drastisch gesenkt oder gestrichen. Die unter dem Druck ausländischer Konkurrenz stehende deutsche Solarindustrie hätten diesen Förderungsabbau nicht so rasch verkraftet. Nach Zellenherstellern und Modulbauern seien schließlich auch Anlagenbauer ins Trudeln geraten. Aber auch die FAZ sieht unternehmerische Fehler und zitiert Branchenkreise: Solarworld-Chef Asbeck hätte zu spät – nämlich erst zu Beginn des Jahres 2017 – mit einem Sparprogramm auf die schrumpfenden Erträge reagiert.

Wie die Branche auf den Insolvenzantrag reagiert, zeigt exemplarisch ein Beitrag des Fachblatts pv magazine: Es hat einige Modulhersteller um ihre Einschätzung gebeten, welche Auswirkungen die Insolvenz haben wird. Der Geschäftsführer von Heckert Solar spricht von einer „absoluten Schande für Deutschland und Europa“. Der Chef von Aleo Solar merkt an, dass der deutsche Photovoltaik-Markt nun aufgerüttelt ist und es klargestellt werden sollte, dass weiterhin Qualitätsmodule in Deutschland gefertigt werden. Bei CS Wismar sieht man die „Kampfpreise“ von Solarworld seit Jahresbeginn als ein Grund für die Insolvenz.

Das Handelsblatt hingegen wagt einen Perspektivwechsel: Die Solarworld-Insolvenz stelle für die Branche auch eine Chance für einen Neuanfang dar. Der Beitrag zitiert dafür u.a. den Geschäftsführer eines Batteriespeicherherstellers sowie SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon: „In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, dass man die Photovoltaik intelligent mit den Sektoren Heizung, Klima und Lüftung sowie Speicher und Elektromobilität verknüpft“, erklärt Letzterer.

Bildnachweis: Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. E. h. Frank Asbeck (links) und Finanzvorstand Philipp Koecke stellen den Konzernbericht 2014 vor und geben einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015. (Foto: SolarWorld AG/Meike Böschemeyer)

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.