750 Expertinnen und Experten diskutieren neue Forschung und Strategien zu PFAS Internationale Fachkonferenz zu per- und polyfluorierten Stoffen

Berlin, 30. November 2020 - Heute beginnt die zweitägige Fachkonferenz „PFAS - Dealing with contaminants of emerging concern“. Expertinnen und Experten aus Europa und von weltweit tauschen sich online über den Umgang mit Umweltbelastungen durch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS) aus. Wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften werden die über 5.000 Stoffe in verschiedensten Produkten wie Outdoor-Kleidung, Kochgeschirr, schmutzabweisenden Teppichen oder Feuerlöschschäumen eingesetzt. Die Kehrseite des massiven Gebrauchs von PFAS: Diese Chemikalien sind so stabil, dass sie sich in der Umwelt anreichern und in die Nahrungskette gelangen können. Weltweit werden in Gewässern, Luft und Böden PFAS nachgewiesen. Auch im Blutserum von Menschen können sie vorkommen und gesundheitliche Effekte – insbesondere auf das Immunsystem – haben. Die EU und Deutschland treiben daher die Forschung an PFAS sowie die Entwicklung von politische Strategien, rechtlichen Vorgaben und Sanierungstechniken voran. Die Veranstaltung findet im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands statt.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Per- und polyfluorierte Stoffe sind weltweit ein Problem, auch in Europa. Die Europäische Kommission hat in ihrer Chemikalienstrategie ein Verbot von PFAS als ein wichtiges Ziel definiert. Künftig sollen in der EU keine PFAS mehr in die Umwelt gelangen. Aktuell bereiten die deutschen Chemikalienbehörden mit ihren europäischen Partnern ein Verbot aller PFAS vor, die gesellschaftlich nicht unabdingbar sind. Deutschland geht gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Schweden voran. Um Wissenslücken zu PFAS zu schließen, brauchen wir mehr Forschung und eine verstärkte Koordination der europaweiten Forschungsaktivitäten.“

Präsident des Umweltbundesamts Dr. Dirk Messner: „Das Wissen um die Besorgnis der PFAS ist nicht neu, dennoch kennen wir bislang nur die Spitze des Eisberges. Während die beiden bekanntesten PFAS-Verbindungen PFOS und PFOA gut erforscht und international reguliert sind, ist dies für die meisten anderen der rund 5.000 PFAS nicht der Fall. Deshalb beteiligt sich das Umweltbundesamt maßgeblich an den Bestrebungen, die Herstellung und Verwendung von PFAS als gesamte Stoffgruppe europaweit zu beschränken. Wir sollten nur noch die absolut notwendigen Verwendungen zu ermöglichen, bis auch dafür ein Ersatz gefunden ist.“ Das UBA forscht, auch in europäischen Verbünden, um neue Erkenntnisse zur Stoffgruppe zu gewinnen und um Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Ökosysteme abzuleiten. Dazu gehört das Monitoring der PFAS-Gehalte in Menschen und Umwelt. „Aufgrund der Komplexität dieser Schadstoffgruppe ist eine umfangreiche Ausweitung der Forschungsaktivitäten notwendig“, so Messner. Das Umweltbundesamt hat vor Kurzem ein Schwerpunktheft zu PFAS veröffentlicht, das umfassend über den Kenntnisstand informiert.

Im Fokus der Online-Konferenz „PFAS - Dealing with contaminants of emerging concern“ stehen aktuelle Entwicklungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie hochrangige Forscherinnen und Forscher aus 19 europäischen Ländern sowie Nordamerika, Australien und Asien beteiligen sich an den Fachdiskussionen. Keynote-Speaker der internationalen PFAS-Konferenz ist die US-amerikanische Chemikerin, Autorin und Umweltaktivistin Arlene Blum. Sie ist Gründerin des Green Science Policy Institutes, dessen wissenschaftliche Studien und politische Aktivitäten dazu beigetragen haben, die Verwendung einiger gesundheitsschädigender Chemikalien in Alltagsprodukten zu verbieten. Neben Berichten über die aktuellen Regelungen und Aktivitäten auf EU-Ebene, rückt die Konferenz Vorträge aus Europa und Australien in den Fokus, die ihre Strategien und Maßnahmen im Umgang mit PFAS-Boden- und Grundwasserkontaminationen präsentieren. Außerdem werden Sanierungskonzepte und -techniken vorgestellt, sowie die kürzlich beim UBA erschienene Handlungshilfe „Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen“. Zwei Podiumsdiskussionen sollen den stakeholder-übergreifenden Dialog unter den Beteiligten anregen und deren Standpunkte verdeutlichen. Sie beleuchten dabei die Positionen und Erwartungen der Beteiligten, den politischen Umgang mit „neuen“ Schadstoffgruppen und die Konsequenzen, die sich aus den gemachten Erfahrungen mit der PFAS Gruppe für zukünftig aufkommende Schadstoffe ableiten lassen.

Regelmäßig werden neue PFAS-Kontaminationen in Böden und Grundwasser entdeckt und immer mehr Studienergebnisse belegen, dass die PFAS, die aufgrund ihrer besonderen wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften in einer Vielzahl von Alltagsprodukten zum Einsatz kommen, eine ernste Gefährdung für die Umwelt darstellen. Mit PFAS belastete Böden und Gewässer stellen ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar, da PFAS in Trinkwasser und Nahrung übergehen können. Vor zwei Jahren hat daher die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Schwellenwert für die zulässige wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) der wichtigsten PFAS drastisch – um das Tausendfache – gesenkt. Vor kurzem wurde der Schwellenwert von ihr noch einmal reduziert.

Auf europäischer Ebene setzen sich auch Rat und Parlament für weitere regulatorische Aktivitäten zu PFAS ein. Die Europäische Kommission hat im Oktober 2020 in ihrer Chemikalienstrategie ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Regulierung der PFAS vorgestellt. Zu den wichtigsten Initiativen der Strategie zählt die schrittweise Einstellung der Verwendung persistenter Stoffe wie Per- und Polyfluoralkylsubstanzen.

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