Dieseldebatte: Verkehrswende steht im Stau

Nach dem von der Bundesregierung veranstalteten „Nationalen Forum Diesel“ Anfang August in Berlin befindet sich die Automobilindustrie weiter unter Zugzwang. Die Hersteller hatten bei dem Gipfeltreffen der Politik gegenüber zugesagt, Software-Updates für einen Großteil ihrer nach Euro 5- und Euro 6-Schadstoffnorm zugelassenen Pkw aufzuspielen. Das soll den Stickoxidausstoß laut Schätzungen des Herstellerverbandes um bis zu 12 bis 14 % senken. Allerdings liegen die Überschreitungen der Stickoxidgrenzwerte bei zahlreichen Pkw weit darüber. Wie Zeit Online unter Berufung auf eine Studie des Umweltbundesamtes berichtete, stoßen Diesel der gültigen Abgasnorm Euro 6 im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus, während das Limit bei 80 Milligramm liegt. Positive Seite des Diesel-Dilemmas: Die fehlende Nachhaltigkeit der Mobilität rückt zunehmend in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Mit Spannung wird erwartet, welche Wege die EU-Kommission zur Förderung der emissionsarmen Mobilität im Herbst beschreitet. Einen Bericht des Handelsblatts, wonach Brüssel eine Quote für Elektroautos vorschlagen will, dementierte die Kommission laut Deutschlandfunk. Unabhängig von möglichen Mengenzielen für eine E-Flotte stehen die Autohersteller in der Pflicht. Denn ab 2012 gilt für die Fahrzeugflotten ein Limit beim Treibhausgasausstoß der Neuwagen von 95 g CO2 pro Kilometer. Dabei werden E-Autos mit null Emissionen angerechnet, und zwar unabhängig davon, ob sie mit Strom aus Erneuerbaren Energien betrieben werden. Schon dies bietet für die Hersteller einen enormen Anreiz zur Vermarktung von mehr E-Pkw. Denn durch den sich abzeichnenden Abwärtstrend beim Absatz von Diesel-Pkw mit ihren gegenüber Otto-Motoren im Schnitt geringerem CO2-Ausstoß, wird es für die Autoindustrie schwerer, ihre Flottenziele zu erreichen. Die E-Mobilität wird auch deshalb dringend benötigt.

Szenarien für den Ausbau der Elektromobilität sind nun ebenso in den Fokus der Medien geraten wie die Umweltbilanz der E-Mobilität auf der Straße. Die Frankfurter Allgemeine warnt, das „ächzende deutsche Stromnetz“ sei auf massenhaft E-Autos gar nicht vorbereitet. Wie der Tagesanzeiger aus Zürich unter Berufung auf eine Studie aus der Schweiz berichtet, entstehen bei der Produktion eines batteriebetriebenen Fahrzeuges bis zu 50 Prozent mehr Treibhausgasemissionen als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Im Betrieb kann der E-Pkw diesen Startnachteil aber schnell ausgleichen – vorausgesetzt, er wird mit Erneuerbaren Energien betrieben. Schon 2012 hatte die taz erkannt: „Der Opel Ampera ist das erste deutsche Elektroauto für den Alltag. Doch ohne Ökostrom bleibt seine Umweltbilanz mies.“ Allerdings sind die Ziele Deutschlands zum Ausbau der Erneuerbaren nicht dazu angetan, einen Markthochlauf der E-Mobilität stützen zu können. Die Energiewende im Verkehr, so bilanzierte Tobias Kuhnimhof vom DLR in Berlin jüngst in den vdi-Nachrichten, steht im Stau. Er fordert ein Maßnahmenbündel, das als Katalysator für neue Antriebe und Kraftstoffe wirkt – so wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zum Aufschwung umweltfreundlicher Technologien im Strommarkt wirkt.

- Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht. -