Erneuerbare Wärme sorgt für verlässliche und niedrige Heizkosten

Die Vorteile der Erneuerbaren Energien in Sachen Umwelt- und Klimaschutz sind unbestritten. Doch wie stehen sie im Kostenvergleich mit Öl- und Gas da? Erdgasheizungen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und sogar Ölheizungen genießen angesichts stark gesunkener Erdölpreise eine unerwartete Renaissance. Ausschlaggebend für die Wahl eines Heizungssystem ist immer noch in erster Linie der Kostenfaktor, weniger die Umweltbilanz. Doch sparen Verbraucher wirklich, wenn sie in der aktuellen Niedrigpreisphase auf fossile Rohstoffe als Brennstoff setzen?

32 Prozent aller Heizungen sind 20 Jahre oder älter und damit nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Besonders alte, ineffiziente Öl-Heizungen sind bereits viel zu lange in Betrieb. Sie verursachen höhere Betriebskosten und CO2-Emissionen. Der Austausch gegen moderne Techniken kommt zu langsam voran. Die jährliche Sanierungsrate von Wohngebäuden liegt nur bei etwa einem Prozent pro Jahr. Und wenn sich Hauseigentümer zur Heizungsmodernisierung entschließen, fällt die Entscheidung zu oft auf die klimaschädlichen Optionen. 

Nach wie vor heizen acht von zehn Haushalten mit fossilen Brennstoffen. Im Jahr 2014 wurde knapp die Hälfte (47,8 Prozent) der Wohnungen in Deutschland mit Erdgas beheizt. Es folgen Heizöl mit 27 Prozent und Fernwärme mit 13,5 Prozent. Wärmepumpen (2,1 Prozent) und Biomasse (3,1 Prozent) beheizen zusammen nur etwas mehr als 5 Prozent der deutschen Wohnungen. Der Blick auf die Brennstoffpreise zeigt, dass derzeit zu wenige Anreize für den Umstieg auf regenerative Wärmelösungen bestehen. Holzhackschnitzel kosteten zwar im Juli 2016 nur rund 27 Cent pro Liter Heizöläquivalent (HÖE) und sind somit immer noch deutlich günstiger als Erdöl. Dieser biogene Brennstoff wird aber vor allem in Heizwerken oder Heizkraftwerken eingesetzt, im Privathaushalt ist er weniger verbreitet.

1410 AEE Brennstoffpreise_2016

Die Entscheidung für ein Heizungssystem sollten Hausbesitzer nicht ausschließlich mit Blick auf die aktuellen Öl- oder Gaspreise fällen. Die gewählte Option bindet den Eigentümer schließlich über einen Zeitraum von etwa 20 Jahre oder sogar mehr. Fällt die Wahl auf eine fossile Heizung, ist die Chance vertan sich von den unberechenbaren Öl- und Gaspreisen unabhängig zu machen. Die niedrigen Ölpreise in den Jahren 2015 und 2016 sind keine Garantie, dass sie für die kommenden 20 Jahre auf diesem Niveau bleiben.

Ebenso sollten auch die Anschaffungskosten nicht das allein entscheidende Kriterium sein. Beim Blick auf die Investitionskosten erscheinen Öl- oder Gasheizungsanlagen als die preisgünstigsten Lösungen. Eine Gas-Brennwerttherme kostet teilweise weniger als die Hälfte wie eine Wärmepumpe. Die Anlagentechnik ist bei den Erneuerbaren Energien aufwändiger. Die Erdwärmepumpe erfordert beispielsweise Erdsondenbohrungen und eine Kollektorverlegung. Auch Pelletheizungen sind in der Anschaffung teurer als fossile Heizungen gleicher Größe. Doch für die Erneuerbare Energien gibt es höhere staatliche Zuschüsse und sie punkten langfristig mit stabilen Verbrauchskosten. Im Gesamtkostenvergleich wendet sich das Blatt über 15 oder 20 Jahre gesehen zugunsten der Erneuerbaren Energien. Wenn die Öl- und Gaspreise wieder ansteigt, so kann erneuerbare Wärme auch gegenüber neu installierten fossilen Brennwertkesseln im Vorteil sein.

Vollkostenvergleich von Heizsystemen

In einem direkten Vollkostenvergleich verschiedener Heizungssysteme müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden: Die verbrauchsgebundenen Kosten (Brennstoffkosten bzw. Heizstrompreis für Wärmepumpen), die betriebsgebundenen Kosten (Wartung, Versicherung, Schornsteinfeger etc.), die kapitalgebundenen Kosten (Kreditlaufzeit, Rücklage, Zinssatz und jährliche Zinslast) und die Investitionskosten (Anlage, Gas- oder Fernwärmeanschluss, Pufferspeicher etc.). Einen Teil der Investitionskosten der Erneuerbaren Energien reduziert sich durch die Förderung durch das Marktanreizprogramm (MAP). Die kapitalgebundenen Kosten fallen bei den erneuerbaren Heizungssystemen gering aus, da es zinsgünstige KfW-Kredite für den Heizungsaustausch gibt.
In einem Heizkostenvergleich aus dem Jahr 2015 rechnet die Zeitschrift Öko-Test vor, dass Heizungen auf Basis von Erneuerbaren Energien Wärme zu vergleichbaren oder sogar geringeren Kosten bereitstellen können als Öl- oder Gasheizkessel. 

I1612_AEE_Vollkostenvergleich_Heizungssystemen_72dpin dem Vollkostenvergleich eines beispielhaften Einfamilien-Neubaus über 15 Jahre schneidet die Erdwärmepumpe am besten ab. Die Summe aus Investitons-, Kapital- und Verbrauchskosten beläuft sich auf 25.750 Euro. Am Ende ließen sich mit der Wärmepumpe knapp 1.500 Euro gegenüber einer neuen Gasheizung einsparen, gegenüber der Ölheizung sogar 3.000 Euro. Wesentlichen Anteil daran hat der Zuschuss des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) für die Wärmepumpe in Höhe von 5.000 Euro. Im Altbau ist die Pelletheizung die günstigste Variante. Über 15 Jahre liegen die Vollkosten bei 31.100 Euro. Die Gasheizung liegt nur knapp dahinter, gegenüber der Ölheizung beträgt der Kostenvorteil 3.700 Euro.

Förderungen von Erneuerbaren Heizsystemen

Um das Ziel eines CO2-neutralen Gebäudebestands bis 2050 zu erreichen, fördert das Bundesumweltministerium Heizungen auf Basis Erneuerbarer Energien mit dem MAP: Für den Heizungswechsel gibt es günstige Darlehen und Zuschüsse, die sich auf mehrere Tausend Euro summieren können. Für eine Pelletheizung mit Brennwertnutzung und Pufferspeicher gibt es beispielsweise 5.250 Euro Innovationsförderung vom BAFA. Die restliche Investitionssumme kann über einen zinsgünstigen Kredit der KfW-Förderbank finanziert werden. Solarkollektoren zur Heizungsunterstützung werden mit mindestens 2.000 Euro und 140 je Quadratmeter Kollektorfläche bezuschusst. Wird die Solarthermie mit Biomasse oder Wärmepumpen kombiniert, gibt es dafür einen Bonus in Höhe von 500 Euro. Der Mindestförderbetrag liegt zwischen 1.300 Euro für eine Luftwärmepumpe und 4.500 Euro für Erd- und Wasserwärmepumpen. Der Mindestbetrag der Innovationsförderung geht bis zu 6.750 Euro. Hinzu können noch ein Effizienzbonus (wenn das Bestandsgebäude dadurch KfW-Anforderungen erfüllt) in Höhe von 50 Prozent der Basisförderung und ein Lastmanagementbonus (wenn die Wärmepumpe z.B. mit einem Pufferspeicher in ein intelligentes Stromnetz eingebunden wird) in Höhe von 500 Euro kommen.

Die Inhalte dieses Artikels stammen aus dem Hintergrundpapier Renews Kompakt 35 Heizkosten senken mit Erneuerbaren Energien der Agentur für Erneuerbare Energien.