Benziner und Elektrofahrzeuge bekommen Auftrieb durch Diesel-Krise

RT_Elektromobilität_Quelle_PixabayWährend sich die deutschen Automobilhersteller über steigende Neuzulassungen bei ihren konventionellen Verbrennern freuen, schauen sie zum Jahreswechsel sorgenvoll nach Leipzig. Für den 22. Februar 2018 steht dort beim Bundesverwaltungsgericht ein Verhandlungstermin zwischen Deutscher Umwelthilfe und dem Land Nordrhein-Westfalen an, in dem es darum geht, ob Fahrverbote in deutschen Kommunen zur Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte möglich sind.

Die unsichere Rechtslage hat im Kaufverhalten der Verbraucher schon für Bewegung gesorgt. Von Januar bis November 2017 legten die Neuzulassungen an Benzinern laut Kraftfahrtbundesamt um 14 Prozent auf 1,83 Millionen zu. Der Anteil der Benziner erhöhte sich um mehr als fünf Prozentpunkte auf 57,4 Prozent. Dagegen schrumpften die Diesel-Neuzulassungen um auf 1,25 Millionen. Ihr Anteil an den Neuzulassungen verringerte sich um knapp sieben Prozentpunkte auf 39,3 Prozent.
Von einer Verkehrswende ist angesichts des weiterhin stark steigenden Pkw-Absatzes allerdings nichts zu spüren. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neuen Pkw erhöhte sich laut Kraftfahrtbundesamt zuletzt auf 127,8 g/km. Zudem wächst der Fahrzeugpark: In den ersten 11 Monaten des Jahres kamen dem KBA zufolge knapp 3,2 Millionen Pkw zur Neuzulassung, das waren drei Prozent mehr als von Januar bis November 2016.

Ausgehend von niedrigem Niveau wurden auch Elektro-Pkw stärker nachgefragt. Von Januar bis November verdoppelte sich die Zahl der neu zugelassenen rein batteriebetriebenen Pkw auf mehr als 21.600. „Die Dieselproblematik hat der Elektromobilität einen kräftigen Schub gebracht, davon sind viele Experten überzeugt“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Mit einem europaweiten Netz an Schnellladestationen wollen die Autokonzerne BMW, Daimler, Volkswagen und Ford den Anreiz sich ein Elektroauto anzuschaffen erhöhen. „Bis 2020 sollen Fahrer von E-Fahrzeugen Zugang zu Tausenden solcher Hochleistungsstationen haben“, so die Rheinische Post. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge ist eine weltweite Zunahme von elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen erkennbar. „Der Durchbruch werde 2025 kommen, denn dann gebe es genügend E-Modelle auf dem Transportmarkt und ein etabliertes und flächendeckendes Ladesystem“, berichtet die Süddeutsche Zeitung zu der Studie. Ein Stück weit vorbildlich in Sachen urbane E-Mobilität ist der Paketzusteller DHL. Die 4.700 Elektrofahrzeuge des Unternehmens tanken Ökostrom. Insgesamt hat das Unternehmen mehr als 5.700 Ladepunkte an etwa 400 Standorten in Deutschland installiert. Wie bekannt wurde, will der Logistiker Hermes für seine Fahrzeugflotte dem Beispiel der Post-Tochter DHL folgen. So soll laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung für Elektroautos nur Strom eingesetzt werden, der nach dem anspruchsvollen Grüner-Strom-Label zertifiziert ist.

Während die Politik in Deutschland den Diesel größtenteils verteidigt hat VW-Chef Matthias Müller überraschend die Steuer-Subventionen für den Diesel zur Disposition gestellt und mehr Förderung für neue Antriebstechniken befürwortet. Damit verblüffte der VW-Chef alle, wie der Tagesspiegel meint. Während die Politik gebannt auf die im Februar anstehende Verhandlung beim Bundesverwaltungsgericht zu möglichen Fahrverboten schaut, preschen andere EU-Staaten vor.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel plant Frankreich das Ende des Verkaufs von Pkw mit Verbrennungsmotor im Jahr 2040. Premierminister Édouard Philippe wünsche sich dieses Engagement für ein Null-Emissions-Ziel auch in Europa. Der Spiegel stuft die französische Position als eine „Kampfansage an die geschäftsführende Regierung in Berlin“ ein, die sich jedoch nicht wehren könne. So seien Union und SPD in den vergangenen Monaten gescheitert, eine klare Elektrifizierungsstrategie für die Autoindustrie vorzulegen.

- Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht. -