Wird die Verkehrswende in rot-gelbe Schranken gewiesen?

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Das Statement pro Verbrennungsmotoren von FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner in der Tageszeitung Die Welt wurde im Oktober 2016 schon viel diskutiert. In der Debatte lag ein besonderes Augenmerk auf Lindners Argument, ein Verbot von Benzin- und Dieselmotoren führe zur kulturellen Verarmung – welch Menetekel im Land von Goethe, Wagner und Toni Erdmann. Wer sich daraufhin wunderte und noch mal bei Kant nachschlug, kann Lindner nun zwar widerlegen, ist aber eigentlich auf der falschen Fährte. Denn: Die Warnung vor der kulturellen Verarmung ist im eigentlichen Sinn kein Argument, sondern vielmehr ein Zitat und damit womöglich eine politische Offerte: Wortwahl und Veröffentlichungsweise erinnern sehr an ein Interview der Saarbrücker Zeitung aus dem Jahr 2013, in dem der damalige Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine einen Stopp des Windkraft-Ausbaus forderte und von „kultureller Barbarei“ sprach. Lindner imitiert Lafontaines Wortwahl gerade jetzt, zu einer Zeit, in der über ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund nicht mehr nur in stillen Hinterzimmern gemunkelt wird, sondern der Hashtag #r2g die sozialen Medien stürmt. Subtil und doch wirkungsvoll bringt Lindner damit neue und recht unerwartete Ideen für die politische Farbenlehre ein. Wir sind gespannt, ob es neben der Ablehnung von technologischem Fortschritt zum Schutze von Natur und Klima noch weitere Überschneidungen und damit steigende Chancen für eine Ketschup-Majo-Koalition gibt. Es scheint, als sei der Bundestagswahlkampf eröffnet – wir sind gespannt!

Der monatliche Kurzschluss erscheint im Renews, dem monatlichen Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien. Er behandelt stets ein Thema der aktuellen energienergiepolitischen Debatte - mit Augenzwinkern.