Verkehrswende - Gegen den Strich gebürstet

NOW_CO2-freie_mobilitaet_800pxFür eine erfolgreiche Energiewende auf der Straße fehlt es bislang nicht nur an einer stärkeren Nutzung Erneuerbarer Energien im Verkehrssektor, sondern auch an einem Wandel von Konsum- und Verhaltensmustern. Das wurde bei Konferenzen der AEE in Berlin und Brüssel in diesem Frühsommer deutlich. Dass ein Wandel von Verhaltensmustern beim deutschen Verbraucher durchaus kein Selbstläufer ist, machte Tobias Kuhnimhof vom DLR bei der Tagung „Die Energiewende auf die Straße bringen“ deutlich. „Wir haben keinen Trend zum Teilen“, erklärte der Abteilungsleiter Personenverkehr mit Blick auf die erhoffte Reduzierung des Pkw-Aufkommens in Städten durch den Boom von Car-Sharing-Angeboten. Als Beleg führte Kuhnimhof u.a. die Zahl der Pkw pro Erwachsenem im Haushalt an, die auch in den jüngeren Altersgruppen 2013 deutlich über dem Niveau von 1998 lag. Angesichts eines weiter steigenden Pkw-Bestandes und weniger Fahrleistung pro Pkw ist daher ein Trend „Besitzen statt Nutzen“ zu konstatieren. Europäische Vorbilder in Sachen Verkehrsverlagerung sind die Schweiz und die Niederlande mit ihren hohen Anteilen an Bahnreisenden und Fahrradfahrern. Wäre Deutschland so nachhaltig unterwegs wie seine Nachbarn, würde das allerdings nur zu einer überschaubaren CO2-Einsparung von 7 Prozent führen.

Ein forcierter Ausbau Erneuerbarer Energien ist daher überfällig. Neben dem zügigen Ausbau der Elektromobilität mit Erneuerbaren Energien werden weitere Optionen für die Verkehrswende benötigt. Biokraftstoffe kommen für Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr künftig verstärkt infrage. Gleichzeitig ist klar: Mit der weiteren massiven steuerlichen Privilegierung des Straßen- und vor allem des Flugverkehrs wird eine nennenswerte Verkehrsverlagerung auf die Schiene unmöglich. Die Weichen für eine Veränderung an dieser Stelle werden in Berlin gestellt.

Auf europäischer Ebene wird ein Rahmen für die Klimaschutz- und Erneuerbaren-Ziele gesetzt. Mit der Reform der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED II) besteht in Brüssel die Chance, Impulse für die Verkehrswende zu setzen. Die AEE begleitet die Debatte, zuletzt mit ihrer Konferenz zum Thema „80 Jahre Biodiesel“. Der Vorschlag des Europaabgeordneten Blanco López, zuständiger Berichterstatter für die RED II, ist ein guter Ausgangspunkt. Blanco López will ein Erneuerbaren-Ziel von 35 Prozent für die EU im Jahr 2030. Für die Erneuerbaren im Verkehrssektor soll es –anders als von der EU-Kommission geplant ein eigenes 12-Prozent Ziel geben, das sind zwei Prozentpunkte mehr als für 2020 angestrebt werden. Der Nachholbedarf für die Energiewende im Verkehrssektor bleibt immens – auf der Straße und in der Politik.


Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.

Bildquelle: NOW GmbH