Netzausbau: Noch kein Engpass für Energiewende

netz_96Im Streit zwischen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) um neue Stromtrassen in Bayern zeigt sich, welche Rolle dem Ausbau neuer Stromleitungen zugemessen wird. Vielfach entsteht darüber der Eindruck, das Tempo des Netzausbaus bestimme das Tempo der Energiewende. Netzexperten des Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verweisen im Instituts-eigenen „Wochenbericht“ auf Studien und von der Bundesnetzagentur (BNetzA) genannten Zahlen, die zeigten, dass dies bisher nicht der Fall sei. Netzoptimierung, -verstärkung und -ausbau schritten kontinuierlich voran. Sowohl Netzerweiterungen (Neu- und Zusatzbeseilung) als auch Netzausbauten in bestehenden und neuen Trassen erfuhren in der Vergangenheit keine starken Verzögerungen. Viele weitere Leitungsabschnitte sind in einem fortgeschrittenen Stadium der Projektierung und werden in naher Zukunft fertig gestellt. Somit sei der Netzausbau dem Zeitplan zwar leicht hinterher, stelle aber auf absehbare Zeit keinen Engpass für die Energiewende dar.

Der DIW-Wochenbericht gibt außerdem eine Einschätzung zur aktuellen Netzplanung und unterstreicht positiv, dass für die Ausbauplanung des deutschen Stromübertragungsnetzes künftig Szenarien zugrunde gelegt würden, in denen die Klimaschutzziele der Bundesregierung für den Stromsektor berücksichtigt sind. Zudem enthalte der Szenariorahmen 2025 nun zum ersten Mal Annahmen, dass zukünftig geringere Braunkohlekapazitäten am Netz seien werden. Die Netzbetreiber hatten zwar in ihrem ersten Entwurf wie bisher noch mit hohen Braunkohlekapazitäten gerechnet, doch die Ende Dezember 2014 von der Bundesnetzagentur genehmigte, angepasste Version enthalte nun – je nach Szenario – eine um fünf bis sieben Gigawatt reduzierte Braunkohlekapazität. Das entspricht rund einem Drittel der heute in Deutschland installierten Braunkohlekraftwerksleistung.

Darüber hinaus berücksichtigte der Szenariorahmen nun auch die Emissionsminderungsziele der Bundesregierung für den Stromsektor. Danach müssten die CO2-Emissionen des Kraftwerksparks von 317 Millionen Tonnen im Jahr 2013 auf 187 Millionen Tonnen bis 2025 und 134 Millionen Tonnen bis 2035 zurückgeführt werden.

Beide Neuerungen bewerten die DIW-Experten positiv und sehen sie im Kontext der aktuellen klimapolitischen Debatte. Die Bundesregierung hatte sich zuletzt erneut zur Erreichung des deutschen Minderungsziels für Treibhausgasemissionen von minus 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 bekannt.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.