Kleiner BER ist besser fürs Klima

Berlin, 11. Dezember 2017. Auf dem Weg zu klimaschonender Mobilität stellt der Flugverkehr eine der großen Herausforderungen dar: Die vom Flugverkehr verursachten Treibhausgasemissionen haben sich seit 1990 in Europa etwa verdoppelt. Im Zuge des weiteren geplanten Ausbaus von Flughäfen wie in Berlin drohen die durch die Luftfahrt verursachten Klimaschäden weiter zuzunehmen. „Verbraucher und Politik müssen gegensteuern“, mahnt der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer.

Im Wettbewerb mit Schiene und Straße genießt der Flugverkehr zahlreiche Privilegien. Flugbenzin wird nicht mit der Mineralölsteuer belastet, Flüge innerhalb der EU und nach Übersee sind sogar von der Mehrwertsteuer befreit. Von Klimaschutzverpflichtungen wie dem europäischen Emissionshandel ist die Luftfahrt ebenfalls ausgenommen. So entgehen dem Fiskus Milliarden und die Umwelt leidet. „Während andere Verkehrsmittel verstärkt auf klimafreundliche Alternativen und Erneuerbare Energien setzen, werden die Klimaschäden durch den Flugverkehr weiter zunehmen“, warnt Vohrer.

Berliner Luft schonen
Exemplarisch zeigt sich dies in Berlin. Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) – die Bekanntgabe seines nächsten voraussichtlichen Eröffnungstermins steht in wenigen Tagen bevor – soll zügig weiter ausgebaut werden. Das geht aus einem „Masterplan“ der Flughafengesellschaft Berlin vom 15. September 2017 hervor. Bis 2025 soll demnach die Kapazität des BER auf 45 Millionen Passagiere pro Jahr verdoppelt werden. In der letzten Stufe des Masterplans bis zum Jahr 2035 ist sogar eine Kapazität von 55 Millionen Passagieren für den BER vorgesehen. Die Fluggesellschaft Ryanair erwartet bis 2050 gar 90 Millionen Passagiere in Berlin. Im vergangenen Jahr wurden an den beiden Berliner Flughäfen hingegen 33 Millionen Passagiere abgefertigt. „Statt weiter die Kapazitäten auszubauen, wären für eine erfolgreiche Verkehrswende klimafreundliche Alternativen zum Flugverkehr notwendig.“, erklärt Vohrer.

Berlin-München im CO2-Vergleich
Der Flugverkehr ist vergleichsweise schwer zu dekarbonisieren. Ein Mittel der Wahl sind Biokraftstoffe, die einzelne Fluggesellschaften auf ausgewählten Strecken bereits erfolgreich getestet und so gezeigt haben, dass eine Senkung der Klimagasemissionen möglich ist. Hingegen sind die Emissionen des zivilen Flugverkehrs in Europa auf zuletzt knapp 160 Mio. t gestiegen, nach 84 Mio t im Jahr 1990. Ein Flugzeug stößt laut Umweltbundesamt fünf Mal mehr Klimagase pro Personenkilometer aus als ein Fernzug. Fliegt man von Berlin nach München, verursacht man so einen Klimagasausstoß von 111 kg CO2-Äquivalenten, mit einer Zugreise auf der entsprechenden Entfernung sind es 22,5 kg.

Die Verbraucher können durch ihr Verhalten künftige Trends im Verkehrssektor setzen – indem sie sich für klimafreundliche Mobilität mit Erneuerbaren Energien entscheiden. Die bei der Eröffnung vorgesehene Kapazität des BER würde gemeinsam mit dem alten Terminal Schönefeld reichen, um das Passagieraufkommen des letzten Jahres abzufertigen. „Das sollte als Orientierungsmarke dienen“, fordert Vohrer. „Vermeidbare Personen- und Frachtflüge müssen auf die Schiene geholt werden, wenn wir unsere Klimaziele erfüllen wollen.“ Rund ein Viertel aller Flüge aus Berlin landeten 2016 im Inland, fünf Prozent außerhalb Europas.

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