Erneuerbare Energien im Jahr 2015: Rekord oder Flaute?

Erneuerbare Energien haben in Deutschland im Jahr 2015 einen Rekordanteil an der Stromerzeugung und am Stromverbrauch erreicht – das berichten die Medien Anfang 2016 mit Bezug auf Angaben der Denkfabrik Agora Energiewende. Demnach stammte jede dritte verbrauchte Kilowattstunde (32,5 Prozent) aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Bioenergieanlagen. Mit 647 Terrawattstunden wurde auch bei der Stromproduktion insgesamt ein neuer Spitzenwert erreicht: Deutschland produzierte weit mehr Strom als es verbrauchte und exportierte 60,9 Terawattstunden. Auswirkungen auf die Klimabilanz hat die Steigerung durch Erneuerbare Energien jedoch kaum. Agora Energiewende sieht als Grund dafür die nach wie vor sehr hohe Produktion von Strom aus Kohle. Diesen Zusammenhang erklärt die Tageszeitung Die Welt in ihrem Bericht über die Agora-Zahlen: „Da die Konzerne ihre ‚schmutzigen‘ Kohlemeiler weiterlaufen lassen und damit gutes Geld verdienen können, schlägt der Ökostromboom bislang beim Klimaschutz noch nicht so richtig durch.“

Mit Blick auf die Zubauzahlen Erneuerbarer Energien war das Jahr 2015 hingegen alles andere als rekordverdächtig. Darüber berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung: Demnach ging 2015 als ein „Jahr der Ernüchterung“ in die Geschichte der Erneuerbaren Energien ein. So sei der Zuwachs bei Windenergie an Land deutlich schwächer als im Vorjahr ausgefallen. Der Zubau sei mit voraussichtlich 3.600 Megawatt im Gesamtjahr 2015 weit unter dem Niveau des Vorjahres (4.750 Megawatt) geblieben. Auch die Sächsische Zeitung spricht von rauen Zeiten für Erneuerbare Energien und weist darauf hin, dass Deutschland im jüngsten Klimaschutzindex von Germanwatch weltweit nur auf Platz 22 stehe.

Auf die unterschiedliche Entwicklung von Strommengen und Zubauzahlen geht auch Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, in einem Interview mit der Tageszeitung taz ein: „Der große Sprung im letzten Jahr lag vor allem am Wetter: Wir hatten viel Wind und Sonne. Die Ausbauzahlen sind zuletzt hingegen zurückgegangen: Bei Solaranlagen gab es einen dramatischen Einbruch, und auch beim Wind muss man die Entwicklung genau beobachten.“ Ähnlich wie die Erneuerbare-Energien-Branche fordert daher auch Flasbarth: „Wenn wir unsere Klimaziele ernst nehmen und uns den Schwung von Paris zu eigen machen, dann bedeutet das, wir müssen an den Kohleausstieg ran. Und wir brauchen einen Aufwuchspfad bei den Erneuerbaren, der deutlich über dem liegt, was derzeit geplant ist. Wir brauchen die Erneuerbaren schneller.“

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.